Alternativlos!-Podcast über die Mythen der Gentrifizierung

Die Folge 40 des Alternativlos!-Podcasts ist ein Gespräch mit Andrej Holm, einem Stadt- und Regionalsoziologen. Behandelt wird die Frage, was denn nun eigentlich nochmal Gentrifizierung ist und wie sie abläuft. Es geht also back to the basics, was ich sehr sinnvoll finde. Den in allen Großstadt-Gesprächen dieser Tage ist Gentrifizierung weiterhin Dauerbrenner und darunter fällt irgendwie alles und nichts.

Haben die hippen Kaffeeröstereien und veganen Supermärkte etwas damit zu tun? Welche Maßnahmen kann die Stadt unternehmen? Wie entwickelt sich eine Stadt über die Zeit hinweg? Schwierige Fragen, die zumindest mal angeschnitten werden.

Neu war für mich das Prinzip der Desinvestition in billigen Wohnvierteln: Sagen wir, dass in einem Viertel in Innenstadtnähe der Mietpreis noch sehr gering ist, z.B. 5€ den Quadratmeter. Nun ist es schwer, den Mietpreis bei einzelnen Objekten zu erhöhen, weil das Preisniveau einfach niedrig ist. Will man nun mehr Geld mit den Häusern machen, so wird einfach weniger investiert: Es wird nichts mehr saniert, nichts neues kommt hinzu, die Substanz verfällt langsam. Um das Viertel herum wird nun langsam alles teurer, neue Leute wollen in die Innenstadt und das heruntergekommene Viertel wird somit beliebter. Plötzlich entsteht ein Potential: Die Leute sind bereit, höhere Mieten zu zahlen und das Preisniveau kann im ganzen Viertel angehoben werden.

Mit diesem Moment betreten auch neue Akteure den Markt, kaufen den billigen Grund und die marode Bausubstanz. Dann kann innerhalb kürzester Zeit aufgewertet werden, um das theoretische Potential des Viertels auch zu verwirklichen. Es kommen schöne Neubauten, die Miete kostet nun 9€ den Quadratmeter und während viele Leute nun wegziehen, kommen andere Leute nach, die bereit sind, zu zahlen.

Fazit: Die Zeiten niedriger Miete werden von Investor_innen einfach ausgesessen, bis die Stadtentwicklung die Sache von selbst löst.