Wie Alt-Right AktivistInnen Ironie als Waffe gebrauchen

A compounding difficulty for opponents of the “alt-right” is that online, it’s always been difficult to tell the difference between sincerity and satire.

Jason Wilson bringt beim Guardian auf den Punkt, was in sozialen Netzwerken, Diskussionsforen und Imageboards immer offensichtlicher wird: Rechtsextreme AktivistInnen können mittlerweile Ironie und Ikonographie. Immer mehr zeigt sich eine ironische Attitüde bei Leuten, die dem Spektrum von Rechtskonservativismus über Neue Rechte bis hin zum Neonazismus zugehören. Wieso ist das schlimm?

Knallige Bilder, sympathische Figuren, starke Symbole, ein großer Einfluss auf die großen Franchises der Popkultur – das alles war seit den 70ern eine Domäne der Linken bis Liberalen. In Verhältnissen, die Selbstinszenierung und Coolness nötig  machen, waren zumeist diejenigen besonders gut darin, die sich gegen Kapitalismus und Autorität richteten. Dieser Vorsprung scheint nun verloren: Pepe the Frog geistert wie eine ansteckende Krankheit durch die Twitter-Feeds und die stärkste Fraktion der Studierendenvertretung der juristischen Fakultät Wien macht verhöhnende Bildchen über vergaste Jüdinnen und Juden, die viele als lustig empfinden.

Dabei ist jede Entgleisung immer nur ein schlechter Scherz oder schwarzer Humor. Tatsächlich wird es schwer, eingefleischte Nazis und Gelegenheits-Pöbler_innen im ironsichen Inferno der Vergasungswitze voneinander zu unterscheiden. Die Ironie macht es überhaupt möglich, solche Witze und Bilder ohne Geld- und/oder Freiheitsstrafen zu reißen.

Verwunderlich ist das ganze aber nicht: Die Rechten waren historisch immer wieder sehr gut darin, bildgewaltige Inhalte zu erschaffen. Die Propagandafilme des Dritten Reiches und die SS-Uniformen sind bis heute ein beeindruckende sowie erschreckendes Beispiel dafür. Rechte Ideologie vereinfacht, spitzt zu emotionalisiert – drei zentrale Mechanismen des Internets.

Alternativlos!-Podcast über die Mythen der Gentrifizierung

Die Folge 40 des Alternativlos!-Podcasts ist ein Gespräch mit Andrej Holm, einem Stadt- und Regionalsoziologen. Behandelt wird die Frage, was denn nun eigentlich nochmal Gentrifizierung ist und wie sie abläuft. Es geht also back to the basics, was ich sehr sinnvoll finde. Den in allen Großstadt-Gesprächen dieser Tage ist Gentrifizierung weiterhin Dauerbrenner und darunter fällt irgendwie alles und nichts.

Haben die hippen Kaffeeröstereien und veganen Supermärkte etwas damit zu tun? Welche Maßnahmen kann die Stadt unternehmen? Wie entwickelt sich eine Stadt über die Zeit hinweg? Schwierige Fragen, die zumindest mal angeschnitten werden.

Neu war für mich das Prinzip der Desinvestition in billigen Wohnvierteln: Sagen wir, dass in einem Viertel in Innenstadtnähe der Mietpreis noch sehr gering ist, z.B. 5€ den Quadratmeter. Nun ist es schwer, den Mietpreis bei einzelnen Objekten zu erhöhen, weil das Preisniveau einfach niedrig ist. Will man nun mehr Geld mit den Häusern machen, so wird einfach weniger investiert: Es wird nichts mehr saniert, nichts neues kommt hinzu, die Substanz verfällt langsam. Um das Viertel herum wird nun langsam alles teurer, neue Leute wollen in die Innenstadt und das heruntergekommene Viertel wird somit beliebter. Plötzlich entsteht ein Potential: Die Leute sind bereit, höhere Mieten zu zahlen und das Preisniveau kann im ganzen Viertel angehoben werden.

Mit diesem Moment betreten auch neue Akteure den Markt, kaufen den billigen Grund und die marode Bausubstanz. Dann kann innerhalb kürzester Zeit aufgewertet werden, um das theoretische Potential des Viertels auch zu verwirklichen. Es kommen schöne Neubauten, die Miete kostet nun 9€ den Quadratmeter und während viele Leute nun wegziehen, kommen andere Leute nach, die bereit sind, zu zahlen.

Fazit: Die Zeiten niedriger Miete werden von Investor_innen einfach ausgesessen, bis die Stadtentwicklung die Sache von selbst löst.

 

Flucht aus Sobibor (1987)

Das Vernichtungslager Sobibor in Ostpolen, Herbst 1943: Die bisher täglich eintreffenden Transporte von Jüdinnen und Juden, die vergast werden, sind weniger geworden. Das Ende des Lagers und damit der Tod der Zwangsarbeiter_innen scheint nahe. Die Häftlinge sind deshalb auf der verzweifelten Suche nach Fluchtmöglichkeiten. Flucht aus Sobibor erzählt die Geschichte des Untergrundkomitees, das den Aufstand plant und tatsächlich […]

Dummheit als angepasstes Denken

In Social-Media Debatten ist der Vorwurf der Dummheit des_der anderen sehr schnell getätigt. Ebenso ist das Geständnis der eigenen Dummheit eine gute Abwehrstrategie, bei der sich durch die absolute Selbsterniedrigung vielleicht doch noch die eigene Schuld abwenden lässt.

Auf Twitter postete dann eine diesen Artikel zum falschen Verständnis von Dummheit: „Dummheit – Eine nützliche Tradition im Dienste der Demokratie“. Ein Mangel an Intelligenz wird zumeist als Dummheit bezeichnet. Im Artikel allerdings wird Dummheit „eigentlich“ definiert: Dummheit sei demnach Intelligenz, die allein auf maximale Anpassung an die herrschenden und unterdrückenden Verhältnisse abzielt. Der Vorwurf der Dummheit wird als Vorwurf mangelnder Nützlichkeit des Denkens gefasst: Du bist eben zu dumm, dir etwas nützliches oder realistisches auszudenken.

Dazu kommt Kritik am Wissenschaftsbetrieb und den Urteilen einer geistigen Elite. Die Archiv-Website der Marxistischen Streit- und Zeitschrift ist sehr unansehlich und der Artikel durchaus lang, aber für ein paar ruhige Minuten nach dem ersten Kaffee durchaus passend. Das Wettern über die volkstümlichen Weisheiten wie „der Mensch ist der Mensch ein Wolf“ lässt schmunzeln.