Wir brauchen ein Parallel-Web für all die Überforderten, Volks-Deutschen und Dummies

Der folgende rant wird gespeist aus den Erkenntnissen von @nutellagangbang (Die wollen uns doch nur unsere Likes wegnehmen!) und Sascha Lobo (Hilferuf an die mindestens durchschnittlich Begabten) in jüngster Zeit. Es gibt drei grundlegende Regeln des Webs, die so alt sind wie seine Popularisierung: Don’t read the comments. Don’t feed the trolls. Use Google. (no, […]

Kate Tempest – Europe Is Lost (song)

Nachdem wir uns gestern mal wieder per Junkfood, superspannenden Serien, billigen Drogen oder überlauter Musik ein wenig selbst zerstört haben, ist es schon längst wieder dunkel und der Schädel brummt in Anbetracht eines bereits aufgehenden Montags.

People are dead in their lifetimes /
Dazed in the shine of the streets /
But look how the traffic keeps moving /
The system’s too slick to stop working /
Business is good. And there’s bands every night in the pubs /
And there’s two for one drinks in the clubs

so there’s nothing to be optimistic about. Die Autos fahren trotzdem, die Bim ist zu spät, aber rattert dann doch noch in die Station. Die Polizist*innen vor der Oper und dem Rathaus schaffen eine subtile Bedrohungslage. Du entschließt dich, noch rechtzeitig etwas zu tun.

(😘 an Mitbewohnerin für den Hinweis)

 

Doron Rabinovici: „Ich respektiere tolerante Rassisten nicht“

Wann geht es um Toleranz?, fragt sich der Schriftsteller, der am Freitag mit dem Ehrenpreis für Toleranz in Denken und Handeln 2015 ausgezeichnet wurde

Quelle: Doron Rabinovici: „Ich respektiere tolerante Rassisten nicht“

Mit den neuesten Anschlägen in Paris vergangenen Freitag erreicht die alte Leier einen neuen Höhepunkt der Kakophonie: „Jetzt reicht es aber wirklich mit diesen Flüchtlingen, mit den Muslien und überhaupt!“ Grundlegend verändert hat sich die Weltlage allerdings nicht, es sind vielmehr die Reaktionen, die zu einem Wandel führen werden. Und das erneute Aufbäumen einer ideologiegetränkten Empörung.

Denn die von manchen Akteuren propagierte Einwanderung von Terroristen als Geflüchtete ist Blödsinn. In Österreich hat sich bisher kein einziger Verdachtsfall verhärtet. Die Jiahdisten in Frankreich waren französische Staatsbürger.

Dennoch wird die Toleranz-Frage für die Kriegsgeschädigten und als „Muslime“ bezeichnete Bürger*innen wieder aufgewärmt – ohne jemals wirklich abgekühlt zu sein. Für mich ist dabei der Begriff Toleranz einer der sinnentleertesten überhaupt, man liest schließlich von so ziemlich jedem*r, er*sie sei sehr tolerant. Die Frage nun, was Toleranz überhaupt ist, wo sie anfängt und beginnt, bearbeitet Rabinovici in seiner Dankesrede für den „Ehrenpreis für Toleranz in Denken und Handeln 2015“ recht ergiebig. Die wichtigsten Eckpunkte: Viele zentrale Anliegen einer toleranten Position sind längst in Paragraphen gegossen und stehen damit kaum zur Diskussion. Toleranz ist ein Machtinstrument und wird einer unterlegenen Position gönnerhaft gewährt. Toleranz fängt erst dort an, wo mensch selbst zu leiden hat. Verhalten, das die Menschenrechte selbst angreift, ist schlichtweg nicht zu tolerieren.

Einige Quotes:

Das Wort Toleranz hat einen schalen Beigeschmack, weil es so gespreizt daherkommt. Toleranz wurde bekanntlich gewährt.

„Den öffentlichen Raum den Geboten des Sakralen zu unterwerfen führt zur Theokratie. Die Mörder werden in einer Welt des Internets und der Globalisierung immer diejenigen finden, die gegen irgendeines ihrer vielen Verbote verstoßen. Ihnen nachzugeben ist nicht Toleranz, sondern Kapitulation.“

Während der Fundamentalist die säkulare Gesellschaft bedroht, gibt es aber auch jene, die im Namen der Aufklärung den sakralen Bereich der anderen stören wollen. Sie rücken der religiösen Minderheit auf die Pelle. Das Kopftuch muslimischer Frauen wird zur Hauptfrage für die Kreuzritter des Abendlandes.

Es braucht nicht unbedingt einen Gott, um zum Fundamentalisten eines Glaubens zu werden, der alle Unbekehrten und alle Renegaten liquidieren will.