Podcast: Modernen Antisemitismus erkennen

Der Lila Podcast hat eine Sendung zu antisemitischen Tendenzen im Feminismus produziert, die ich noch nicht angehört habe. Dafür habe ich die darauf folgende Bonus-Episode bereits konsumiert, die ich hier weiterempfehlen will. Darin stellt Katrin Rönicke der Linguistin und Antisemitismus-Forscherin Monika Schwarz-Friesel drei Fragen, wie man modernen Antisemitismus erkennen kann und wie man darauf reagieren sollte.

Maßgeblich dafür ist die Erkenntnis, dass kaum wer noch offen antisemitisch ist. Moderner Antisemitismus tritt zumeist als „Kritik“ an Israel bzw. als Antizionismus auf. Ein gutes Beispiel hierfür ist die BDS-Bewegung (Boycott. Divestment. Sanctions.), die als antisemitisch bewertet werden muss. Mehr erfahrt ihr im Podcast:

Tokio von unten – Radiosendung über die linksradikale Bewegung in Japan

Tokio ist natürlich nicht ganz Japan, fungiert aber offenbar als Kristallisationspunkt, wie das mit den Hauptstädten ja immer so ist. Gregor Wakounig, den ich von Twitter kenne, ist derzeit in Japan und treibt sich dort oftmals bei Linken bis Linksradikalen herum. Jetzt hat er ein einstündiges Feature bei Radio Orange produziert, das ihr nachhören könnt (Link dazu im eingebettetem Tweet).

Sein Einstieg ist für mich sehr passend: Westliche Aktivist_innen würden von der Bewegung in Japan nichts bis wenig wissen. Mir war höchstens klar, dass ein paar Leute die Fukushima-Katastrophe wenig leiwand finden. Natürlich passiert und passierte in Japan viel mehr.

Die Sendung hat einen historischen und einen aktuellen Teil, wobei einige Leute direkt zum Thema interviewt werden. Gregor vermittelt eher zwischen den Stimmen. Die Interviews sind leider sehr leise, man muss also oft die Lautstärke ändern. Heraus kommt für mich, dass die Linke in Japan ähnliche Probleme wie die Linke in Westeuropa hat, aber doch auch ganz eigene. Da wäre z.B. die Auseinandersetzung mit dogmatischen K-Gruppen, die aus dem Ruder läuft und andererseits Japan-spezifische Umstände (wobei der konkrete Konflikt mit den K-Gruppen natürlich auch spezifisch war) wie die mangelnde Akzeptanz von WGs. Gemeinsames Wohnen ist in diesem Land scheinbar noch ein Tabuthema. Das nur mal als Ausschnitt.

Hört euch die Sendung an, beim späten Frühstück oder zum zweiten covfefe ☕️.

Alternativlos!-Podcast über die Mythen der Gentrifizierung

Die Folge 40 des Alternativlos!-Podcasts ist ein Gespräch mit Andrej Holm, einem Stadt- und Regionalsoziologen. Behandelt wird die Frage, was denn nun eigentlich nochmal Gentrifizierung ist und wie sie abläuft. Es geht also back to the basics, was ich sehr sinnvoll finde. Den in allen Großstadt-Gesprächen dieser Tage ist Gentrifizierung weiterhin Dauerbrenner und darunter fällt irgendwie alles und nichts.

Haben die hippen Kaffeeröstereien und veganen Supermärkte etwas damit zu tun? Welche Maßnahmen kann die Stadt unternehmen? Wie entwickelt sich eine Stadt über die Zeit hinweg? Schwierige Fragen, die zumindest mal angeschnitten werden.

Neu war für mich das Prinzip der Desinvestition in billigen Wohnvierteln: Sagen wir, dass in einem Viertel in Innenstadtnähe der Mietpreis noch sehr gering ist, z.B. 5€ den Quadratmeter. Nun ist es schwer, den Mietpreis bei einzelnen Objekten zu erhöhen, weil das Preisniveau einfach niedrig ist. Will man nun mehr Geld mit den Häusern machen, so wird einfach weniger investiert: Es wird nichts mehr saniert, nichts neues kommt hinzu, die Substanz verfällt langsam. Um das Viertel herum wird nun langsam alles teurer, neue Leute wollen in die Innenstadt und das heruntergekommene Viertel wird somit beliebter. Plötzlich entsteht ein Potential: Die Leute sind bereit, höhere Mieten zu zahlen und das Preisniveau kann im ganzen Viertel angehoben werden.

Mit diesem Moment betreten auch neue Akteure den Markt, kaufen den billigen Grund und die marode Bausubstanz. Dann kann innerhalb kürzester Zeit aufgewertet werden, um das theoretische Potential des Viertels auch zu verwirklichen. Es kommen schöne Neubauten, die Miete kostet nun 9€ den Quadratmeter und während viele Leute nun wegziehen, kommen andere Leute nach, die bereit sind, zu zahlen.

Fazit: Die Zeiten niedriger Miete werden von Investor_innen einfach ausgesessen, bis die Stadtentwicklung die Sache von selbst löst.

 

Soziopod #040 + Q&A mit Sozialpsychologen: Humanity welcome? Europas Posttraumatische Belastungsprobe

Quelle: Soziopod #040: Humanity welcome? Europas Posttraumatische Belastungsprobe

Die Berichterstattung im deutschsprachigen Raum hält weiterhin am Thema #Refugees fest, präsentiert als temporärer Krisenzustand. Die blutigen Zäune und Küsten Europas bestehen dabei natürlich seit Jahren, nur spitzt sich die Situation durch immer extremere Armut und andauernde Bürgerkriege immer mehr zu. Der tägliche Flüchtlings-Schwerpunkt in den Tageszeitungen haftet etwas Scheinheiliges an, gleichzeitig mündet die plötzliche Fokussierung auf die Thematik in breiter gefächerten Beiträgen. Mittlerweile wurde genug über Routen, Zahlen mit vielen Nullen, Schlepper, Zäune, Boote etc. usw. geredet und es geht vielleicht ein wenig mehr um die eigentlichen Akteure: Die Leut, welche da flüchten. Und die haben zumeist neben Wunden auch einen Knicks in der Psyche, sie sind traumatisiert.

Zum fast seuchenhaft verbreiteten Trauma unter den Geflüchteten hat das Team von Soziopod nun einen Podcast aufgenommen, der sich mit dem Trauma als Krankheitsbild aus sozialpsychologischer Perspektive irgendwo zwischen Psychoanalyse und Entwicklungspsychologie annähert. Es geht dabei auch um das Entstehen irrationaler Ängste in den Wohlstandsländern und um die beunruhigende Erkenntnis, das bereits Kinder zarten Alters für ihr Leben geschädigt werden.  Nach 2 Stunden flattern einem ganz schön die Ohren, das Zuhören lohnt sich aber allein schon als Denkanstoß!

Heute morgen ist in Form des Standards dann noch ein weiterer Beitrag zu Ängsten und Traumata in den Briefkasten geflattert: Sozialpsychologe Klaus Ottomeyer fast in einem kurzen Q&A die wichtigsten Punkte zu Symptomen traumatischer Störungen bei Geflüchteten zusammen. Die Ängste einiger Bevölkerungsschichten vor den Refugees analysiert er psychoanalytisch, worin die Unverhältnismäßigkeit der Angst zu den Strapazen der Geflüchteten deutlich wird.