in Kino, Politik

Im russischen Bürgerkrieg kämpft die Division unter Führung Tschapajews gegen die Weißgardisten. An zwei Schlachten beobachten wir Aufstieg und Fall dieser Heldenfigur sowie das alltägliche Leben der Soldaten und der einen Soldatin. Es ist ein affirmativer Kriegsfilm, in welchem zahlreiche ideologische Maxime der Sowjetunion zum Entstehungszeitpunkt 1934 ihre Umsetzung fanden. Als einer der erfolgreichsten Filme des Realsozialismus überhaupt hat man es mit einem höchst interessanten Zeitdokument zu tun, das viel darüber aussagt, wie die Welt für die Massen interpretiert wurden und welche Werte zentral waren.

Es gibt zwei bemerkenswerte Charakterbeziehungen: Zum einen die Doppelspitze des volksnahen Tschapajew und des Partei-Kommissars Furmanov. Sie sind Verkörperungen zweier Ideale, das des pragmatischen Volkshelden und das des ideologisch gebildeten und organisierenden Parteitreuen. Wenn Tschapajews Impulse über die kommunistische Disziplin hinwegschießen, greift Furmanov entschieden ein. Es kommt durchaus zu Konflikten zwischen den Beiden, die ständige Beobachtung durch den Partei-Gesandten wirkt nervig und gefährlich. Letztlich wird der Konflikt dadurch gelöst, dass die Sache eines friedlichen Lebens im Kommunismus ein gemeinsames Ziel spendet und Furmanov eigentlich kein schlechter Kerl ist.

Dann gibt es die ehemalige Zivilistin Anka, die sich von Petka das MG erklären lassen will. Dieser begrabscht seine Genossin zunächst und drängt sich ihr auf, was sie entschieden abwehrt. Letztlich setzt Anka ihren Willen durch, sie wird MG-Schützin und Kriegsheldin. Zu ihrem übergriffigen Genossen entsteht eine Partnerschaft, die einvernehmlich erscheint. Damit ist Anka eine durchaus selbstbestimmte Rolle und wird als gleichwertige Soldatin dargestellt. Andererseits wird man das Gefühl nicht los, dass sie doch auch sexueller Preis ist, der sich letztlich verdient wird. Zumal Petka sich später opfert, um sie zu retten, alle Klischees erfüllend.

Mein Mitbewohner hat es ganz treffend zusammengefasst: „In diesem Film wird nur gekämpft und davor wie danach gesungen, oder?“ Die ideologische Zielsetzung, die Verherrlichung der Kriegsführung und der Herrschaft der Bolschewiki, tritt ganz deutlich hervor. Dennoch funktioniert der Film durchaus, die Schlachten sind spannend, die Lieder schön, die Charaktere in vielen Momenten sympathisch. Zumindest wird festgehalten, dass das Ende des Krieges und ein friedliches Leben die Ziele des Krieges sind. Ein kleines bisschen Horrorshow, das sein baldiges Ende zumindest behauptet.

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