in Gekritzel

Servus von früher

Dieses kalte Kribbeln den Rücken entlang, wenn sie dich zufällig am Gang sehen und lauthals mit SERVUS grüßen. Man kannte sich gut in einer anderen Welt, aber davon ist nur noch ein peinliches und demütigendes Wiedererkennen geblieben. Kaum wieder erkennen lässt sich die brave Kleidung von s.Oliver und anderen Marken, die sich ganz problemlos in den Malls kaufen lassen. Auf Facebook sind der rotzige Electropunk und die politischen Liedern einer anderen Politik gewichen, die sich an selbst nachgestellten Stockphotos von Kirchenplätzen und Berglandschaften ergötzt. Konferenz-Mikro statt Megafon. Befremdliche Gerüchte über sie, das ist gleich geblieben.

Ein Wiedersehen als Selbstbespiegelung, man entkam doch dem Ähnlichen. Was ist diese polierte public identity, zynische Ironie oder die Bejahung, letztlich von den Verhältnissen eingeholt worden zu sein? Ist man hier mit der derselben Gewalttat konfrontiert, die man gemeinhin als „älter werden“ beschreibt und nicht anderes bedeutet, als all die richtigen Erkenntnisse der eigenen relativen Jugend als dumme Sünde zu beschreiben?

Vielleicht laufen wir letztlich doch alle den immer gleichen ritualisierten Bildern von schöner Freundschaft, schöner Partnerschaft, schöner Heimat, schöner Natur hinterher. Vielleicht bleibt nur ein feiner Zynismus und ein wenig Eitelkeit zurück, keine Karo-Hemden unter den Funktionsjacken von Jack Wolfskin zu tragen und zumindest keine Selfies in Tracht zu machen, wenn man sie trägt, begleitet von einem Gefühl schamhafter Überhöhung.

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