in Kino

Nachdem ich Trainspotting T2 gesehen hatte, ohne den ersten Teil je angeschaut zu haben, habe ich nun auch das nachgeholt. Eine grob Ahnung hatte ich aber bereits schon, da T2 durch Rückblenden und Anekdoten die wichtigsten Ereignisse des ersten Teils nacherzählt. In zweiten Teil wird die Fede beendet, die am Ende des ersten Films aufkommt: Die Freunde Renton, Sick Boy, Spud und Begby haben 2kg Heroin an einen Drogenboss verkauft und sind damit an eine hübsche Summe Geld gekommen. Während sie ihren Erfolg feiern, kommt bereits Neid auf die Anteile der anderen auf und sie scherzen darüber, sich allein mit dem ganzen Geld aus dem Staub zu machen.

Beim Auskatern wacht Renton zuerst auf und entschließt sich, tatsächlich mit dem Geld durchzubrennen. Was bindet ihn noch an diese Arschlöcher? Spud lässt er allerdings seinen Anteil zukommen, weil er ein netter Kerl ist. Der cholerische Begby zerlegt daraufhin das gesamte Hotelzimmer.Das ganze spielt übrigens in Schottland und England. Im zweiten Teil wird er sich brutal rächen und seinen Teil der Kohle einfordern. Doch in diesem Film ist die Handlung weniger auf das Ereignis des Drogendeals fokussiert, stattdessen wird eine Lebensperiode der Freunde dargestellt, die letztlich coming-of-age ist.

Vor allem ist Trainspotting ein witziger Film und auch wenn das Junkie-Dasein der Jungs ziemlich eklige Episoden kennt, wird doch alles komisch gebrochen. Zudem ist es ein sehr schöner Film mit tollen Bildern, der zwar auch mit Hässlichem schocken will, aber über weite strecken stark ästhetisiert. Die Schauspieler_innen sind in Sachen Maske durchaus an das Delirium ihrer Sucht angepasst – Kevin McKidd als Tommy sieht später im Film wirklich fertig aus – aber zumeist erlangen die Charaktere über Nacht ihre Frische zurück. Sie sind letztlich kräftig und vital.

Die Frage, ob Trainspotting den Konsum starker Drogen nun verherrlicht oder nicht ist für mich eher irrelevant, weil bei dieser Frage  vor allem die Moral-Keule mitschwingt. Was mich aber wirklich genervt hat, ist die doch sehr moralische und romantisierte Revolte der Jugendlichen gegen die spießigen Verhältnisse ihrer Bürgerfamilien. Bei all dem Selbsthass und einer durchaus richtigen Kritik an bürgerlicher Doppelmoral in Bezug auf Drogen und Sexualität fühlen sich die Freunde moralisch überlegen, die anderen seien schlichtweg zu dumm, um den Verhältnissen zu entkommen. Doch natürlich entkommen sie im Junkie-Lifestyle ebenso nie den Verhältnissen, sondern binden sich nur anders an die Produktivitätszwänge. Den berühmten Monolog „Choose“ von Renton kann man sich ja nochmal anschauen.

Über die Qualität des Films muss das dargestellte krude Revoluzzertum nichts aussagen, allerdings sagt die mir bekannte Überidentifizierung des Publikums viel über es selbst aus: Die Möglichkeit eines destruktiven Ausstiegs aus der Gesellschaft wirkt sehr attraktiv und das Medium Film lässt die Distanz zum Geschehen auf der Leinwand durch Identifikation mit Leichtigkeit überwinden. Ob bei Trainspotting, Clockwork Orange oder Fight Club – schnell fällt die kritische Reflexion des Gesehenen weg. So sind in allen drei Filmen starke misogyne und teils auch faschistische (v.a. in CO und FC) Elemente vorhanden, zu denen man Distanz waren sollte.

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