in Kino

Die Verfilmung des Anima-Klassikers versucht zunächst einen Spagat aus Fanservice und Erschließung neuer Publikumsgruppen. Die politischen Intrigen zwischen Section 6 und 9 sowie die internationale Politik wurden stark vereinfacht. So besteht der Plot hauptsächlich aus dem Kampf der Major Motoko Kusanagi für Section 9 gegen den Meister-Hacker Hideo Kuze. Die Handlung besteht aus der Verstrickung von Section 9 mit dem Großkonzern Hanka Robotics, dessen CEO Cutter die Behörde zunehmend kontrollieren will und ein doppeltes Spiel spielt.

ghost-gif-01

Aus dem gesichts- und körperlosen Puppet Master wird also das missglückte Experiment Kuze, ein Cyborg mit rein synthetischen Körper, der seine menschliche Komponente – seinen Ghost – allerdings abstößt. Zusammen mit Cutter als direkten Antagonisten werden also alle Konflikte personalisiert und dadurch leichter vermittelbar. Leider habe ich den 2. Teil des Animes zum Zeitpunkt des Verfassens noch nicht gesehen, ich gehe aber davon aus, dass der Film Erkenntnisse aus beiden Teilen und der Serie kombiniert.

Um die Identifikation mit der Major, einem perfekten Hybrid aus Mensch und Maschine, zu fördern, wird verstärkt auf ihre Backstory eingegangen. Auf der Suche nach ihrer Herkunft ist Kusanagi sehr erfolgreich, wobei ich nicht weiß, ob dieser Part völlig neu geschrieben wurde.

ghost-gif-2

Besonders fein für Fans der Serie sind die direkt nachgefilmten Sequenzen aus dem ersten Teil. Das Intro, der Sturz vom Hochhaus, die Verfolgungsjagd durch die Slums und das Erwachen im Apartment sind teilweise Bild für Bild ans Original angelehnt. Der finale Bosskampf hingegen ist stark verändert, um den Film möglichst vollkommen abzuschließen.

Was Cast und schauspielerische Leistung anbelangt ist der Vorwurf, dass die meisten großen Rollen europäisch-amerikanisch besetzt wurden, durchaus berechtigt. Eine starke Fokussierung auf ein europäisches Publikum zieht sich durch den gesamten Film, das Japanisch vom Section 9 Chef Daisuke Aramaki ist eher ein exotisches Element. Für das Filmerlebnis liefern Scarlett Johansson und Pilou Asbæk als Batou aber gute Beiträge, letzterer ist als sidekick einfach aber charismatisch gezeichnet. Überraschend schlecht hat für mich Juliette Binoche als Dr. Ouélet und Ziehmutter Kusanagis gespielt, ihre ständige Sorge und Unsicherheit wirkt aufgesetzt und fehl am Platz.

Insgesamt hat die Übersetzung des teilweise sehr philosophischen Animes zu einem Action-Film gut geklappt. Im Mittelteil funktioniert die Spannungskurve nicht, dafür legt das Ende nochmal zu. Purist_innen und eingeschworene Fans des Animes werden vielleicht durch die durchaus freie Adaption des Stoffes gekränkt sein, aber eine andere Form verlangt eben auch andere Inhalte. Der größte Mangel sind für mich die Dialoge, die im Original zu künstlich und kompliziert waren, jetzt aber arg verflacht sind.

Kommentiere!

Kommentar