in Kino

Eintrag in der Movie Database
Der Film ist dem Genre des Action-Thrillers zuzuordnen, es geht um einen Inside-Job der Regierung, um Verschwörung und Täuschung. Die Konflikte der rivalisierenden Section 9 und 6 werden vor allem mit Cyberkriminalität und Waffengewalt ausgetragen, wobei die Ballereien eindrucksvoll in Szene gesetzt werden. Die Wirren der politischen Intrige und die spannenden Verfolgungsjagden samt finalem Bosskampf würden nun schon genug Inhalt für 130 Minuten bieten, allerdings will der Sci-Fi Klassiker noch viel mehr.

Zum einen wird die Cyberpunkwelt durch Einstellungen auf wunderschöne Hintergründe vermittelt. In diesen Landschaftsaufnahmen erreicht der Film einen Ruhepunkt, der dann oft  durch plötzliche Schusswechsel durchbrochen wird. Aber auch diese Konfrontationen sind nicht immer hektisch, es gibt Zeit für Reflexion und Erholung. Teil dieser Welt ist wie in jedem Cybperunk-Szenario das Verschmelzen von Mensch und Maschine. Besonders  ist dabei das Konzept einer Seele, Ghost genannt, das letztlich noch an eine biologische menschliche Existenz geknüpft ist. Zwar kann die Hirnstruktur und damit der Ghost von einem menschlichen Körper in einen rein technischen verpflanzt werden, doch bisher ist es nicht möglich, die Seele und damit das unabhängige Menschsein zu synthetisieren.

Doch die Protagonistin Major Motoko Kusanagi erfährt zunehmend Zweifel, ob ihr menschlicher Kern in ihrer vollständig künstlichen Hülle wirklich vorhanden ist oder nach der Transplantation noch etwas davon übrig ist. Ein geheimnisvoller Hacker, der eigentlich geschlechtslos und ein Computerprogramm ist, behauptet zudem, durch die Anbindung an ein komplexes Netzwerk (damit ist fix das Internet gemeint) einen eigenen Ghost hergestellt zu haben. Die Raffinesse seines Täuschungsspiels, das Vordringen in die Hochsicherheitstrakte der Sections sowie die Unabhängigkeit von einem physischen Körper legen nahe, dass es sich dabei tatsächlich um eine ganz neue Form des Lebens handeln könnte.

Um diese komplexen philosophischen Gedanken im Film zu äußern, gibt es lange Dialoge, die eher Monologen gleichkommen. Diese Erinnern an die Dialoge Platons. Als Gesprächspartner hat Motoko zum einen den Hybriden Batou, zum anderen den unveränderten Menschen Togusa. Diese drei Existenzformen des Menschlichen tauschen sich nun über den Kern ihres Seins aus, was leider den Spannungsbogen des Films stört und das filmische Prinzip von „show, don’t tell“ ignoriert.

Baff ist man aber trotzdem.

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