in Kino

Das zweiteilige Epos von Quentin Tarantino begeistert durch seine extreme Darstellung in jeglicher Hinsicht und der Vielzahl an Superschurk_innen, die mythischen Figuren gleichen. Der Plot ist schon im Titel enthalten: Uma Thurmann als zunächst namenlose Protagonistin begibt sich auf einen Rachefeldzug gegen den mysteriösen Bill, welcher der Anführer eines Teams von Auftragskillern ist – dem Deadly Viper Assassination Squad. Bis zum Showdown gegen Bill gibt es mehrere strukturgebende Elemente: Die beiden Filme sind in insgesamt 10 Kapitel aufgeteilt, eine Zahl, die durch die Handlung mit Bedeutung aufgeladen wird. Zudem hat die Protagonistin Beatrix ‚The Bride‘ Kiddo eine Todes-Liste mit fünf Namen, die sie schrittweise abarbeitet. Diese Linearität wird gebrochen durch zahlreiche Zeitsprünge, die der Handlung mehr Komplexität zukommen lassen und dafür sorgen, dass man als Zuschauer_in mit einigen Rätseln konfrontiert wird.

Diese Rätsel beziehen sich vor allem auf die zunächst unbekannten Beziehungen der Charaktere untereinander. Jede_r der Superschurk_innen wird im Laufe des Films mit einer Hintergrundgeschichte versehen und durch ein paar coole Einzeiler in Szene gesetzt. Höhepunkt jeder Begegnung zwischen der „Bride“ und den Bösewicht_innen ist ein epischer Kampf, wobei die Action-Sequenzen wirklich phänomenal angelegt sind. Zu den Highlights gehört die Kampfszene in einem Club im Japan, bei der Beatrix mit einer nie enden wollenden Masse an Gegner_innen konfrontiert ist. Final wartet dann O-Ren Ishii als Endboss auf, die zuvor mit einer Anime-Sequenz vorgestellt wird. Solche Stilbrüche finden zahlreich im Film, so wechselt Tarantino oftmals zwischen Schwarz-Weiß und verschiedenen Farbfiltern. Es gibt auch Wechsel im Bildformat, beispielsweise zu einem quadratischen Bild.

Kill Bill ist ein mitreißender Film, der in Sachen Gewalt und Action immer noch eins drauflegt. Aber es ergeben sich auch Längen – nämlich wenn gerade nicht gekämpft wird. Und nach einiger Zeit offenbart sich eine etwas verschobene innere Logik, nach der die Protagonistin scheinbar umso stärker wird, je geschundener sie ist. Wie auf Schienen fährt sie unaufhaltsam zu Bill. Die Spannung besteht also nicht durch die Frage, ob Beatrix erfolgreich sein wird – sondern eher wie. Mindestens so wichtig wie die Kampfkunst ist in Kill Bill zudem das Thema Mutterschaft und die Unschuld des Kindes, wobei mir nicht klar ist, ob Tarantino es damit letztlich ernst meint oder es nur als dankbaren Spannungsmoment in Bezug auf die Gewalt ansieht. Für einen Film, in dem vor allem die Frauen badass sind, ist leider auch alles auf Bill und dessen Eifersucht hin ausgerichtet.

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