in Kino

Maleficent ist ein moderner Take des Dorröschen-Stoffes, was sehr gut funktioniert und ein ziemlich cooles Resultat zur Folge hatte. Das beste an diesem Disney-Film ist, dass mit vielen Konventionen bisheriger Märchen und Prinzessinnen gebrochen wird. Das junge Liebespaar adligen Bluts ist zwar vorhanden, taucht aber eher als ironische Randbemerkung auf. Die wichtigste Figur ist die Fee Maleficent, die über ein mystisches Reich herrscht, das von der Welt der Menschen abgeschottet ist. Als der spätere König Stevan sie verrät und vergewaltigt – die beiden waren ein Liebespaar – wird sie zur Antiheldin und zur bösen Fee. Diese Verwandlung macht ihren Charakter bemerkenswert, etwas ambivalentes hält Einzug in die Märchenwelt. Als das einzige Kind des Herrscherpaars geboren wird, es ist die Prinzessin Aurora, belegt Maleficent das Baby mit dem altbekannten Fluch.

Um seine Tochter davor zu schützen, versteckt Stefan sie tief im Wald und sie wächst in einer isolierten Hütte auf. Maleficent schaut ihr beim Aufwachsen zu, zunächst voller Häme und Genugtuung, doch letztlich liebt sie Aurora wie eine eigene Tochter. Diese lernt sie als gütige Königin der Fabelwesen kennen – vom Verrat an ihrem Schicksal ahnt sie nichts. Ihre böse Bestimmung erfüllt sich natürlich trotz aller Vorkehrungen, Aurora fällt in einen ewigen Schlaf. Es braucht einen Kuss samt wahrer Liebe. Prinz Philipp wird herbei gezerrt, er und Aurora haben sie ineinander verkuckt und vielleicht war es love on first sight, true love. Aber sowohl Stefan als auch Maleficent sind überzeugt: Das gibt es nicht. Und hier wird doch klar, dass es ein Disney-Film ist. Denn natürlich gibt es die wahre Liebe, nur ist es nicht die junge Romanze, sondern die Liebe der Mutter, welche Aurora aus ihrer Starre erlöst.

Friede-Freude-Eierkuchen kehrt in Maleficent aber erst ganz am Ende ein. Es wird viel gekämpft, wobei klar ist, dass viele Menschen schwer verletzt werden oder sterben. Man sieht es nur nicht. Dass es brutale Gewalt in einem brutalen Konflikt gibt, ist ein wichtiges Zugeständnis an ein älteres Publikum. Auch die Themen Missbrauch und Vergewaltigung werden ernsthaft in den Grenzen des Genres verhandelt.

Ich war vom Film bezaubert. Angelina Jolie brilliert als böse Hexe, die zunächst Opfer ist und über diese Rolle hinaus wächst. Die Animationen und Zauberwesen sind wunderschön, Kinder sind sicher aus dem Häuschen.

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