in Musik

Daughter (konzert)

Wie verhält man sich auf einem traurigen Konzert? Wirklich antworten konnte ich auf diese Frage nicht, da ich fast nie Konzerte besuche und wenn handelte es sich eher um ausgelassene Feten: Feine Sahne Fischfilet, Audio88 & Yassin, Gigi D’Agostino (immer noch bestes Live-Erlebnis). Auf Festivals dränge ich die berauschte Meute zwar gerne zu einem etwas nachdenklichen Frühabend-Act, der Großteil latscht dann aber nach 10 Minuten weiter Richtung Techno-Geballer und ich folge nach betretenen 5 Minuten reumütig.

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Die Sängerin von Daughter, Elena Tonra, gehört nun aber zu meinen Idolen – wobei ich mich wirklich ausschließlich mit der Musik der Band auseinandergesetzt habe. Der Klang ist bestimmt durch Tonras außergewöhnlicher Stimme, die verletzlich hallt, weshalb die mehrschichtigen und durchaus wuchtigen Beats für einen tollen Kontrast sorgen. Live on stage steht Gitarrist Igor Haefeli neben Tonra am Bühnenrand, sie spielt zumeist auch Gitarre. Zwischen Akustik- und E-Gitarre wird ständig bei jedem Song gewechselt. Hinter den beiden sitzt der Drummer, Remi Aguilella, und eine Berufsmusikerin am Keyboard/Synth/Drum-Machine, deren Namen ich nicht herausfinden kann.

Geredet wird wenig, wenn spricht Haefeli zum Publikum und Tonra merkt dazu noch ein gerührtes „Thank you“ an. Die Songs wurden also glücklicherweise nicht tot geredet oder ihrer Deutungsvielfalt beraubt. Der ca. 90 minütige Auftritt lässt sich am besten als Studio-Live-Performance begreifen. Es gibt kaum Interaktion mit dem Publikum, die Energie der Bandmitglieder fokussiert sich auf die musikalisch möglichst perfekte Reproduktion ihrer Songs. Einige Beats unterscheidenden sich von der Aufnahme, zudem sind die instrumentalen Parts wesentlich länger. Das Publikum und ich wippen vor und zurück, während wir sehr genau lauschen. Das Gebotene war für mich beeindruckend, hörte sich besser an als auf Spotify, was auch am massiven Bass der Anlage in der größten Arena-Halle lag. Die Lichtshow hingegen war weniger bombastisch, vor allem weiß mit einigen blauen und roten Stimmungen. Einzige Zierelemente waren lange weiße Stoffbahnen. Auffällig ausgeleuchtet war nur Tonra.

Manche Leute weinen, küssen sich, andere tanzen vergleichsweise ausgelassen. Der gefühlte Durchschnitt kann die Emotionen nicht offensichtlich nach außen tragen, man ist zufrieden und andächtig. Ich lache in mich hinein, habe zwei meiner Lieblingsalben endlich live gehört. Die Punks des Security-Teams schauen verwirrt drein: Für was wurden sie bitte angestellt?!

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