in Gekritzel, Politik

linksalad #003 – Nachbeben der Identitären

Greift zu Messer und Gabel, möge euch dieser bitter-saure Linksalad munden. Diesmal dreht sich alles um die Neonazis von den Identitären, die gerade viel Medien-Aufmerksamkeit bekommen – for better or worse. Denn einerseits wissen so mehr Menschen Bescheid, mit welchen rechtsradikalen Kalibern mensch es hier zu tun hat, andererseits finden es manche sicher auch geil bzw. wirkt die Bewegung stärker, als sie eigentlich ist.

Identitäre attackieren Theater-Aufführung mit Geflüchteten im AudiMax der Uni Wien

Bald ist eine Woche seit dem Vorfall letzten Donnerstag vergangen (ich berichtete ausführlich), doch still ist es noch lange nicht: Sowohl die Linke sowie bürgerliche Medien, als auch die Identitären sind weiterhin aufgescheucht und versuchen, Bewusstsein zu schaffen und zu beeinflussen. Die Nazis verkaufen ihren Angriff als harmlose Kunstaktion, während die Tagespresse langsam wittert, um welche Wölfe es sich hier handelt. Auf standard.at gibt es einen Bericht zur Gewaltausübung während der Aktion sowie über die Verbindungen der FPÖ zu den außerparlamentarischen Rechtstextremen (1, 2).

Eigenlob stinkt, dennoch will ich mein abschließendes Statement zum Angriff auch nur hier verlinkt sehen:

#update: Strafverfolgung gegen Identitäre größtenteils eingestellt, es bleiben Ordnungswidrigkeiten.

Gerade hat mir ein Freund diesen Artikel auf DiePresse gesendet, in dem für die Nazis größtenteils Entwarnung gegeben wird: Bei einer Theateraufführung handle es sich nicht um eine Versammlung, die dann gestört werden könne (Juristen-Talk). Da die Stör-Aktion nicht von Anfang an auf Gewalt ausgelegt gewesen sei, könne keine Verfolgung wegen Hausfriedensbruch erfolgen. Well, just look at their social media accounts:

gewalt-hetze-martin-sellner

Ist das Kunst oder kann das weg? (vonnichtsgewusst)

In dieser Analyse zur „Kunstaktion“ der Identitären wird klar, dass die behauptete Nähe zum Wiener Aktionismus falsch bzw. nicht sinnvoll zu argumentieren ist. Faschisten, die Farbbeutel werfen und zivile Frauen schlagen, bleiben Faschisten und sind keinesfalls Künstler. Sauer aufstößt mir die Darstellung der Identitären als Dummies, die nicht befähigt wären, Wikipedia-Artikel jenseits des ersten Absatzes zu lesen. Das zielt wieder nur auf den bekannten „Nazis = Dummies“ Irrtum ab, was die Rechtsextremen letztlich nur verharmlost. Die behauptete Nähe zum Wiener Aktionismus ist vielmehr als bewusstes taktisches Manöver zu verstehen: Egal wie unhaltbar und abwegig diese Behauptung auch ist, sie lenkt vom Tatbestand ab und stellt zumindest Fragen in den Raum. Interessant finde ich den Artikel vielmehr wegen seiner grundsätzlichen Erkenntnis über Performance-Art: Es herrschte stets größter Respekt vor den Körpern der Beteiligten – im Gegensatz zur Prügel der Identitären.

Twitter-User*in Konrad Ente bringt auf den Punkt, dass Identitäre eben Nazis und nicht einfach Idioten sind:

Beteiligte „Identitäre“ an Audimax Störung (recherchewien)

Während die Polizei noch fleißig fahndet, hat die Antifa-Recherche Gruppe mit Fokus auf die Hauptstadt längst den Job erledigt. Hier findet ihr insgesamt 18 identifizierte Täter*innen sowie einige Screenshots, die belegen, dass Gewaltlosigkeit definitiv kein Prinzip der Neonazis ist. Keep up the good work!

Identiären-Aktivistin Alina Wychera lässt Autorin Stefanie Sargnagel für 3 Tage von Fb sperren

Das deutschnationale ™ Idenitären-Girl hat sich über die schöne Natur-Lyrik von Sargnagel samt Widmung nicht gefreut, sehr schade. Undankbar wie es sich für eine deutsche Eiche gehört, schlug sie diesen gleißenden Lichtstrahl nicht nur ab, sondern meldete fleißig bei Facebook. So bleibt die Faschistin schön online, während die Naturdichterin für 3 Tage auf Twitter ins Exil muss. Facebook war eben schon immer doof.

Zurück bleibt die Frage, was das überhaupt soll, und was das bitte für ein Leben ist?!

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