in Internet, Politik

Goodbye Meta-Debatten im Internet

Der Erkenntnisgewinn ist einfach zu niedrig und es ist Stress, diesen riesigen Haufen organisieren zu müssen. Die Rede ist von Link-Tipps. Ich bin ein bisschen süchtig danach, die Weiterleitungen sind in den aller meisten Fällen der Grund, wieso ich mein Handy oder meinen Laptop entsperre. Mit Chrome öffnet sich ein Fenster zu einer faszinierenden Welt, die das wilde Chaos außerhalb der Wohnung mit Kontext versieht.

Diese Illusion ist für mich derzeit aber wieder etwas eingebrochen. Jeder kennt das, phasenweise nervt es schon auch, „das Internet“. Wobei ja eigentlich längst alles Internet ist. Dennoch gibt es Felder, die uns besonders Internet-durchtränkt erscheinen. Nowadays vor allem die bunten Icons, die wir angreifen, um dann wild darauf herumzuwischen. Wieso nervt das Internet manchmal, wenn es sich doch eigentlich mit *der Welt und den Menschen auseinandersetzt? Ich meine, natürlich können auch diese beiden Bereiche nerven, aber dann hat mensch eben Pech gehabt. Schnell vergesse ich aber, dass das Internet immer noch ein Medium ist – und sich wie jedes andere Medium sehr viel mit sich selbst beschäftigt.

Das ist selbst bei politischen Themen so. Mein Twitter-Feed ist neben Technologie und Literatur vor allem auf gesamtgesellschaftliche Themen hin kuratiert. Aber gekämpft (ja, es sind Kämpfe) wird zumeist wie Politik auf Twitter verhandelt wird. Es geschieht also vermehrt eine Meta-Diskussion. Um zu dem schwächsten aller Argumente zu greifen, der persönlichen Anekdote: Genau einen Pegida-Marsch habe ich in meinem Leben gesehen, nämlich die Horror-Show vor ca. einem Jahr in Wien. Damals konnte ich über das Medium Internet von dieser Erfahrung sprechen. Seither habe ich aber so viel mehr über das Phänomen gelesen, abgelehnt, weiterverteilt. Und habe damit eigentlich selbst auf einer Meta-Ebene gearbeitet: Tweets für und gegen die Repräsentation des Themas im Internet (Alternativvorschläge für diese doofe Formulierung?).

Zugespitzt könnte ich gar feststellen: Es war ein Stellvertreterkrieg. Pegida ist in meiner Lebensrealität schlichtweg kein Thema, insofern ich mir mit allen Bekannten einig bin: Grundsätzlich abzulehnen. Nun ist die eigene Blase natürlich kein Maßstab und es war sicher wichtig, weiterhin informiert zu bleiben. Aber das Maß war wohl überzogen, übrigens wie bei vielen anderen Themen auch. Teil wollte ich sein einer bestimmten Minderheit, die das Thema richtig auf diversen Plattformen bespricht.

Solche Meta-Debatten sind unglaublich anstrengend, weil sie maßlos betrieben werden können und kaum Früchte tragen. Hierzu auch die zentrale Regel, die ich viel zu oft vergesse: Don’t feed the trolls. Die mayor player unter den Kommunikationsplattformen können sich aber selbst nicht mehr daran erinnern. 1001 Kommentare lang kannst du dir erbitterte Kämpfe mit der Gegenseite liefern, um den Diskurs zu beherrschen. Und es wird immer so weitergehen, bis Stimmen endlich abgestellt werden (-> Account gelöscht/gebannt/gemutet). Das scheinen mir die aller meisten immer wieder zu vergessen, auch ich selbst. Auf den großen Plattformen herrscht eine dermaßen krude Auffassung von Meinungsfreiheit, sodass politische Kämpfe zu Materialschlachten werden. Die meisten, nicht die besten Kommentare bekommen Recht.

Deshalb nehme ich mir persönlich bis Ende Februar etwas frei, ignoriere munter vor mich hin und lese nur noch die unterhaltsamen Tweets. Die sick sad world habe ich Schwarz auf Weiß auf Rosa in der Tageszeitung festgehalten. Hasta la vista.

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