in Gekritzel

moment #0019 – karneval

Gibt es denn eine Lösung, versteckt, irgendwo zwischen Stadt-Bussen und alten Hausfassaden? Es ist Fasching und wir streifen durch die Tempel unserer Kindheit, Spielzeug-Geschäfte. Infantile Begeisterung für Glibber und alles, was furzt und dumme Geräusche macht. Es ist Fasching, die violette Glitzer-Weste der Drogistin macht das sonnenklar. 72 Stunden Deo-Duft später. Ein Mann in der Kostümierung von Captain Jack Sparrow steht vor einem Macbook und spielt irgendeinen Popsong, vielleicht ist er vor Nena. Hundert Meter weiter kracht eine Cover-Band in den Nachmittag hinein, sie spielen eines von diesen Liedern, zu denen man nur wippen kann und sich dafür selbst geißelt. Tatsächlich hotten die Verkäuferinnen des Schreibwarengeschäfts dazu ab. Im ersten Stock gibt es Künstler, den in dir. Wir öffnen die Schatzkiste in einem Bobo-Cafe. Rückzugsort innerhalb der Klassengesellschaft, hier läuft zumindest keine Musik. Doch es geht zurück ins Gefahrengebiet. Sind die alle schon besoffen, oder wieso bekommt keiner den Makarena-Tanz hin? Peinliche Berührtheit macht sich breit, wie eigentlich immer, wenn Musik läuft und Leute hampeln und du stocknüchtern bist. Entgeistert vor heißen Nonnen, wurstförmigen Bienen und einer ganzen Armee an Spider-Men.

Wie nicht so werden, so jemals nie, niemals nie? Und was macht einen Szenen-Keller mit 4/4-Gehämmer in einem angesagten Stadt-Viertel eigentlich besser? Das Aufgehen im Kollektiv ist hochstilisiert, während es auf diesem Kopfsteinpflaster grell geschminkt ins Gesicht springt.

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