in Gekritzel

writing some future #003 – Warten auf Kaffee

Jeden Tag dieselben Stationen. Das Leben spielt sich ab zwischen den drei Mahlzeiten, etwas Sport und dem Lernen von Grammatik einer fremden Sprache. Der grüne Holzgriff des Brotzeitmessers gleiten längs an dem Corpus eines Banane entlang, um das süße Fleisch anschließend in kleine Häppchen zu zerteilen. Den Joghurt-Becher aufreißen und die am Deckel klebende Masse abkratzen, denn verschenkt wird nichts. Jeden Morgen wieder fällt der Entschluss, diesen grässlichen Kaffee nicht mehr zu trinken. Die einzig brauchbare Kaffeeküche auf dem Weg zur Arbeit verlangt allerdings 3,60€ für eine akzeptable Menge und das findet er absurd.

Es ist noch drei Monate kalt und ganz Wien hat sich spätestens zum Winterschluss-Verkauf so einen hässlichen 3/4-Mantel mit Daunenfedern gekauft, ihn dem die Masse als Michelin-Männchen erscheint. Die Wiener Linien ziehen den logischen Schluss und heizen ihre Verkehrsmittel auf über 25 Grad, ganz so, als würden die Leut eine Öffi-Fahrt als Karibik-Urlaub interpretieren. Urlaub daham. Aber keiner fährt mehr Ski. Er wird nur müde vom Bim-Fahren. Wenn er liest, will er eigentlich Musik hören und anders herum. Kaum ist das Buch ausgepackt, die Seite gefunden, der Faden aufgegriffen, nähert sich schon die Endhaltestelle. Seit drei Wochen versucht er nun schon am selben Buch weiterzukommen und jedes Mal fühlt es sich so an, als ob er gerade erst damit angefangen hätte.

Ein Fortschritt ist überhaupt schwer auszumachen. Kurznachrichten über Kurznachrichten, Veranstaltungseinladungen, Radeln durch die halbe Stadt. Aber trotzdem jeden Tag nach 1 ins Bett und vor 9 aufwachen. Auf 6 Uhr Abends warten. Zum Wegfahren oder Geld beschaffen ist gar keine Zeit, die Zeit fehlt schon jetzt – obwohl eine kritische Stimme anmerken könnte, dass doch den ganzen Tag so gar nichts passiert. Papier häuft sich auf Tischen, das zumindest lässt sich feststellen. Punkte auf Listen, Listen über Listen, dilettantisch verwaltete Datenbanken. Er braucht allein zwei Februare, um all die Serienstaffeln zu schauen.

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