in Gekritzel

prüfungszeiten.

die faulen Studierenden gibt es nicht mehr, dieser Typus ist ein relikt längst vergangener Zeiten, ein Mythos. es ist Januar und bald Semesterende, die Straßen sind wie leergefegt von den hübschen jungen Körpern und ihren Hornbrillen. in den angesagten Beiseln bleibt weit weniger Asche und kaum Resttabak zurück. stattdessen sitzt die Elite zu Hause und häuft Unterlagen auf Schreibtische – Blätter, die tatsächlich gelesen werden. zugegeben: dazwischen finden sich Reste amerikanischer serien, Kondome, Pizza-Stücke und vegane Bratlinge (fettig rausgebraten in Butter). aber die Unterlagen werden gelesen. anstatt das meist von Geburt an vergebene Privileg des Bildungsbürgertums während der 20er genüsslich auszukosten, fällt die Studierendenschaft auf das offiziell hoch engagierte Bild ihrer Hochschule herein. So mühen sie sich ab mit den Vorgaben und Fristen.

ist das paper dann doch nicht rechtzeitig fertig, werfen sich die Leut in Mails auf die Knie, die Schuhe der meist männlichen Professoren küssend, um noch drei Tage Gnadenfrist zu erbetteln. Du musst dir das vorstellen, Studierende öffnen ihren Mail-Account, haben die richtige Mail-Adresse bereits zur Hand und schreiben eine Din A4 Seite voll mit ehrlichen Entschuldigungen. sie konnten nicht, denn es ist noch so viel anderes und Montag früh wieder Yoga. früher hätten sie den Lehrkörper beim lustvollen Scheiter-Trunk im Stammbeisl ertappt, scherzhaft auf das Frist-Verstreichen angestoßen und ein paar vollgeklekste Papierln drei Monate später in einen Briefkasten irgendwo am Institut geworfen. heute hingegen hagelt es schnell Kritik aus den eigenen Reihen: wie bitte, hast immer noch nicht abgegeben, willst du es dir etwa mit der Frau Professor (und uns) verscherzen?

sie können natürlich auch nicht anders

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