in Internet, Politik

Der folgende rant wird gespeist aus den Erkenntnissen von @nutellagangbang (Die wollen uns doch nur unsere Likes wegnehmen!) und Sascha Lobo (Hilferuf an die mindestens durchschnittlich Begabten) in jüngster Zeit.

Es gibt drei grundlegende Regeln des Webs, die so alt sind wie seine Popularisierung:

  1. Don’t read the comments.
  2. Don’t feed the trolls.
  3. Use Google. (no, use DuckDuckGo)

Leider wird dieses Regelwerk nicht bei jedem Browser-Start eingeblendet. Den meisten Menschen, welche zumindest 1-2 Stunden am Tag im Web verbringen, sind sie aber eh klar. But times are changing, es ist mittlerweile schwierig, kein Smartphone samt Datentarif aufgedrückt zu bekommen. Die Frage lautet nicht mehr, wieso du dich bei Facebook registrieren solltest – sondern wieso du dich erdreistest, mein neues Profile-Pic nicht mit 😍 zu unterlegen. Sprich: Wer heute nicht alle paar Minuten die Refresh-Geste ausführt, muss schon fast als außerordentlich – wohl außerordentlich schlau – bezeichnet werden.

Die Avantgarde im Netz ist vorbei, wir erleben die größte Gleichstellung ever, technische sowie finanzielle Barrieren sind ab einem Lebensstandard über der Armutsgrenze fast nicht mehr existent. Wunderschön eigentlich: Sich seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu entledigen, ist für die Allermeisten einfacher als je zuvor. Aber wir haben aber eines nicht bedacht: Wer seine Unmündigkeit erfolgreich bekämpfen will, müsste bereits mündig sein, um sich im Internet nicht in eine noch gefährlichere Unmündigkeit zu stürzen: Scheinbares Bescheid-Wissen innerhalb einer filter bubble, die sich von außerhalb betrachtet als gigantisches Becken der Idiotie offenbart.

In den letzten 5 Jahren wurde sie nun losgetreten: Eine Flutwelle von Existenzen aller Umstände – korrigiere, aller gut-Deutschen Umstände – welche in die Facebook-Gruppen und Blog-Kulturen einstürzt, um ihre Strukturen zur exponentiellen Selbst-Beschallung zu nutzen und mit diesem geballten Lärm alles andere zu übertönen. Deine Nachbarn sind mittlerweile nicht mehr als einzelne Freaks von der Existenz von Echsenmenschen überzeugt, sich selbst als verlorene Outcasts begreifend. Nein, sie wähnen sich mächtig, vereint, in einer Vielzahl. Ihre Beiträgen samt 10001 Kommentaren werden von den Algorithmen des modernen Webs an die Spitze katapultiert – und sogar über den Bildschirmrand hinaus (auf die Straßen Dresdens).

Plötzlich verstehen wir die Welt nicht mehr: Wieso schreiben Leute mehrere DIN A4 Seiten in ein soziales Netzwerk, um ernsthaft auf eine Person zu antworten, die alle Geflüchteten als Sexualstraftäter bezeichnet und sie vergasen will? Wieso gibt es für solche Aussagen Zustimmung von Leuten, welche nicht seit Jahren mit Thor Steinar Hoodie rumlaufen? Wieso, god damn it, googeln die Leute nicht mal 3 Sekunden nach absurden Thesen – um zu bemerken, dass diese Suchanfragen nur hits zu Tage fördern, die ähnlich bescheuert sind.

Kurz: Wieso begreift die neue deutsche Online-Bevölkerung (und die anderer National-Staaten sicher auch) drei simple Regeln nicht. Regeln, die zumindest sicher stellen, irgendwie miteinander kommunizieren zu können. And don’t get me wrong: Es gab und gibt genug Fundamentalist*innen, Rechte*, Rechtsradikale*, Terrorist*innen und Arschlöcher*, welche sich an diese drei ungeschriebenen Regeln halten – und dennoch doof sind. Aber mit diesen können wir einen Umgang finden, sie sind sich ihrer Position gewissermaßen bewusst und verhalten sich zumindest intelligent (más o menos).

Mit den flüchtig tippenden Finger-Horden allerdings scheint ein Umgang unmöglich. Jegliche Gegen-Position schreiben sie nieder, rein quantitativ – die Logik des Netz 3.0 gibt ihnen recht. Wer 1000 Kommentare auf einen Beitrag versammelt, muss in dieser Logik relevant sein. Ein politischer Kampf ist aber unmöglich, wenn der politische Feind zu doof ist, sich überhaupt als politisch und positioniert zu begreifen.

balkanisierung

Inspiriert von der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschland (Neugliederung Deutschlands in verschiedene „Pogo-Zonen“) schlage ich also vor, den Volksmob schlichtweg zurückzulassen – und den Rest der Welt von ihm zu schützen. Es muss eine Quarantäne-Zone für alle Volksdeutschen*, Reichsbürger*innen, rechte „Feminist“*innen und Weltversteher*innen geben. Da sollen sie sich die Finger und Fäuste wund tippen und schlagen. Überlassen wir ihnen Facebook, 4chan, voat, die bild/krone/heute-Kommentarspalte, die Foren im Design der 90er. youporn. Es gilt das sinkende Schiff zu verlassen, bevor es zu spät ist.

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