in Gekritzel, Rausch

feiertage

sich seit tagen nur noch von junk ernähren. die weihnachtsindustrie kotzt backwaren aus allen körperöffnungen, andere menschen verschlingen die gesunden erzeugungen sofort wieder.

this town broke me two times and it’ll break me again.
in briefen berichtet er von den ereignissen der letzten tage: des nachts voll zerstörungswut, des tags wird einheit mit den verwandten geheuchelt.
wir nehmen zu viel davon mit. von diesen trauerweiden, von dem kanal, von den hübschen brücklein über den fluss. das postkartenidyll rafft uns zu grunde, es bleibt dir nur lachen, fettes grinsen gegen die aufgedunsenen fressen. oder tonnenweise kayal, um allzeit verschlafen zu wirken und somit nie wach. im mong kimmts ois zam, alles kommt zusammen, nichts ist als einzelphänomen behandelbar.

wir reden eigentlich wenig über uns und mit uns, es scheint gar nicht nötig, wir sitzen zusammen als wär nichts gewesen. nur härter im nehmen, die ersten narben sitzen tief, wir küssen die abgeschürfte haut wieder weich, die kruste wird zu gesundem fleisch. denn die libido erstarkt angesichts mangelnder sublimierungsmöglichkeiten am land. land-stadt-provinz-metropolregion-gefälle. die großstadt waret auf dich und das dorf genauso. sie laufen nicht davon, die großstädte sind zu träge dafür, die dörfer gehen zwar alle zu grunde, aber irgendwer wird immer so weit von der nächsten ubahn entfernt wohnen, dass es eine kirche braucht. ein paar entzauberte hocken aufeinander und beschimpfen sich, weil einem nichts anderes bleibt. seit drei tagen nicht mehr abgeschminkt, der schandenschmuck in der eigenen fresse ist mittlerweile schon permanent make-up. smartphone apps schießen selfies und vermitteln dann das gewünschte geschlecht an dich. glück in zwei swipes, so behaupten sie es zumindest. über die falschen versprechen und die ernüchterung beim ersten blickkontakt bleibt uns nur lachen. tinder-lurking.

selten hat er so viel gelacht in diesem jahr, so viel ist zum lachen, insbesondere das gegenüber. lebenspläne so idiotisch zielsicher, dass sie nur scheitern können. gemeinsam den familienvan gegen die wand setzen. wir sind immer tiefer im rausch versunken und werfen mit flaschen herum, kämpfen mit und gegen uns selbst. die wertgegenstände verlieren an wert, jetzt werfen wir mit den alu-monolithen neben die anlage und suchen songs aus den 80s und 90s. what happened to pop music? what happened to music?
was passiert ist, sind kuratierte spotify playlist. Du skippst mehr songs als du anhörst. musikstreaming ist das neue kabelfernsehen, man hört es, weil es da ist. die ruhe wird unerträglich.

die ruhe ist unerträglich und wir wollen ablenken und wegen trivialeren dingen traurig sein. kopfschmerzen, galle, säure, basen, misstimmungen, magen, falsche richtung, nasenhöhle, speiseröhre, rachen, erbrechen, duft, gestank, ausweichen. fieber oder der tag danach, who can tell?
seit drei tagen nicht mehr abegschminkt und langsam sieht er aus wie sein getränk: dunkle weiße. darauf dann starker kaffee, ertränkt im milch. reich den bourbon rüber, wir kippen softdrink darüber.
all das ist so nebensächlich, wir wollen nicht schweigen, doch unsere wichtigsten songs sind inkompatibel: unendlich traurig, nicht zum aushalten, anstrengend, provozierend. ist ständiges stänkern wirklich provokant oder eben doch nur eine weise, zu überleben?
weiße erste welt kiddies wohnen nur relativ unter der armutsgrenze und tun so, als kämen sie aus dem krisengebiet. doch diese stadt ist so unnötig, warum hier verweilen?

 

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