in Kino

Ja, es folgen Spoiler. Ansehen wirst du dir denn Film aber trotzdem. Hint: Das Gute siegt – wenn auch unter Verlusten.

„Jetzt ist das endlich cool.“ Langsam fliegt die Vorgeschichte in die Zentralperspektive vor dem scheinbar unendlichen Universum ein – und das finally in 3D. Die dunkle Seite der Macht ist wieder am Drücker, die Resistance der Jedis und die sie unterstützende Republik sind abgedrängt. Doch Widerstand keimt auf, das Ungleichgewicht der Macht wird erneut in Frage gestellt, ein Ausgleich steht an. Der letzte Jedi hat sich aus dem bekannten Universum zurückgezogen, um eine neue Generation zu trainieren. So ist es an der Zeit für neue Gesichter, einen ersten Schlagabtausch mit der First Order (Nachfolge-Organisation des Imperiums) zu wagen.

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Das Anknüpfen an die wohl wichtigste Marke der Popkultur steht bei The Force Awakens an erster Stelle. „Jewey, we’re home.“ Yes, you are. Es macht einen heiden Spaß bekannte Kulissen, Objekte, Charaktere wiederzusehen – und doch Veränderung wahrzunehmen. Harrison Ford und Carrie Fisher sind nicht mehr der Jüngsten, Leia hat nicht nur ihre Frisur geändert. Und auch Luke Skywalker hat sein Bübchen-Gesicht eingebüßt.

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Die Handlung ist ein Mashup der ersten beiden Trilogien. Die (!) Messiah kommt wieder aus der Wüste, es gibt eine neue Superwaffe, der junge Sith Lord ist zerrissen zwischen seinem letzten Rest Menschlichkeit und der dunklen Macht. Die Droiden sind as charming as always. Es kämpft Gut gegen Böse, dazwischen liegt eine Grauzone. Sie bildet einen gefährlicher Pfad, der zur dunklen Seite der Macht führt. If you dare to walk this path you’ll probably die or become a hero(ine).

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Und das alles sieht so dermaßen gut aus. Während die alte Trilogie (IV-VI) für mich würdig gealtert ist, ist es die neue Trilogie (I-III) nicht. Die Animationen wirken heute wie aus einem in die Jahre gekommenen Videospiel. Die Technik war beinahe an dem Punkt, die Science-Fiction fotorealistisch darstellen zu können – aber eben nicht ganz. Die letzten Hürden sind nun genommen, teils wird sogar mit der perfekten Illusion gebrochen, um den Flair der alten Filme wieder aufleben zu lassen. Die eingesetzten Trickblenden sind ein Wink mit dem Zaunpfahl, der nicht hätten sein müssen.

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Die Filmmusik und das Sound-Design untermalen den Animationszauber gleichzeitig knackig-brutal und sanft-erhaben. Blaster pfeifen durch die Galaxis (troll physics, you’re welcome), Waffen werden schnalzend gezogen und über alles hinweg braust das Orchester. Die Musik ist total transparent, nämlich auf die Emotion der Bilder hin komponiert. Wenn der Sith Lord aus seinem Shuttle steigt und die Streicher verrückt spielen, so wirkt das wie der Auftritt des Mephisto in der Oper.

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Eine postmoderne Perspektive hat der Film vor allem in den Homagen an Star Wars selbst. Doch im Kern macht J.J. Abrams hier Erzählkino als Streben nach dem ultimativen Sog in die Leinwand. Der Zauber Hollywoods blitzt auf. Die Spannungskurve sitzt dabei wesentlich straffer als bei allen anderen Episoden, Zeit zum Durchatmen bleibt nur in relativ wenigen Dialogen und Panorama-Aufnahmen. Die Gespräche kommen schnell zum Punkt. Ich verspürte oft Gänsehaut, bekam schwitzige Hände, vom enormen Tempo wurde mir auch ein wenig schwindlig. Auf einem Level mit Mad Max ist The Force Awakens allerdings nicht, dafür gibt es zu viele Sprünge in Raum und Zeit.

Nach dem Abspann waren wir begeistert und uns einig: The Force Awakens ist ein gutes Sequel, ein gelungener Anfang der dritten Trilogie. Wer ein komplett neues Setting erwartet, wird allerdings enttäuscht. Es ist eine Star Wars Episode und damit an bestimmte Grenzen gebunden, soweit sich der Film als Nachfolger sieht. Im Drehbuch wurde der Spagat zwischen Treue zum Erbe und neuen Impulsen für mich durchaus gemeistert: Rey und Finn sind HeldInnen des 21. Jahrhunderts, sie können für sich selbst sorgen und haben glaubwürdige Bedürfnisse. Entkommen sind sie den Verhältnissen aber nicht.

Die personelle Aufstellung der dunklen Seite der Macht kann mich aktuell noch nicht ganz überzeugen. Der neue/(alte?) Supreme Leader Snoke ist mir zu sehr wie dargestellt. Wieso keine menschlichen Körpermaße?! So wirkt dieses böse Genie im Körper eines Trolls etwas lächerlich. Adam Driver als Sith-Adept ist für mich tainted, weil er für mich bisher ein Charakter in Lena Dunhams Girls war – und jetzt plötzlich zum gefürchtetsten Villain der Galaxis aufsteigt. Die schauspielerische Leistung ist aus der Distanz betrachtet aber gut und wächst für mich eventuell über die kommenden zwei Episoden.

Star Wars Rogue One, we’re going to meet next year. Und ich freue mich schon auf die DVD-Version von Episode VII, dann gibt es sicher schnell mehr .gif-Material!

Zu der 3D-Projektion: Wie alle großen Blockbuster ist Episode VII in 3D gefilmt – die Intro-Seqzenz war eh schon immer dafür geschaffen. Die Technologie empfand ich als Bereicherung, ist doch die Tiefen(un)schärfe so charakteristisch für das menschliche Sehen. In einigen Szenen wird mit dem Effekt gespielt. Leider war die Projektion im Kino fehlerbehaftet, kein Bereich richtig scharf und es kam gar zu Verschiebungen sowie Flackern -> bad marks, Kinopolis Landshut. Zudem sollte es Brillenputztücher zur freien Entnahme geben, riesige Fettflecke im Bild gehen so gar nicht.

.gif credit: starwars-gifs.tumblr.com

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