in Clubbing, Erlebtes, Rausch

ANTIME label-night 2015 (des Nachts)

Das Dorf bekommt hohen Besuch aus Berlin, das Antime-Label spielt auf in der frisch aus der Taufe gehobenen Dorf-Dizze FLUX. Tatsächlich ist es ein passabel ausgestatteter Keller-Club mit fancy Lichtshow in der Hauptstadt Niederbayerns: Landshut. Der Bruder meinte, dass es da immer ur zu geht (den Club gibts erst seit 2 Wochen) und er beim letzten mal random eine in die Fresse bekommen hätte. Alright, dann also pünktlich um 10 auflaufen. Weil der Magen noch flau ist und diese Feiertage nun wirklich nicht so schlimm sind, werde ich die Nacht tabwater-only bestreiten. Gut, dass der Freund, welcher eh nichts trinkt, sich auch überzeugen lässt. Gänsewein, fuck yeah! (Alkoholfreies Bier gibt es dort nicht. Was scheiße ist.)

Wir werden noch nicht mal reingelassen und drehen eine Runde um den Block. Vorher war da wohl ein sehr guter Asiate drinnen, in dem Gebäude also, was das Restaurant allerdings it dem gigantischen Keller getrieben hat, ist ungewiss. Letztlich ist nichts los so früh, wir holen uns Softdrinks – erwischt – und setzen uns an einen der Tische direkt am kleinen Dance-Floor. Gemächlich fängt ein schnittiger DJ (Michal Zietara) an, ein paar House-Platten aufzulegen und plötzlich ist es sehr laut. Wieso die Tische direkt vor der Bassbox stehen, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Wie in so ziemlich allen Clubs scheinen auch hier die Menschen kein Bedürfnis zu haben, sich mal eben hinzusetzen und zwei gerade Sätze in relativer Ruhe zu formulieren.

Warten Warten Freunde Kommen Setzen Reden Schweigen Trinken House Musik Aufbauen Hauptraum Endlich Beginn Programm. Vor Mitternacht ist und bleibt es trist in den Kellern dieser Welt, langsam tröpfeln die Leut ein, erkennen kann ich wenige. Alle aus Berlin oder dem Hinterland? Ohne Schnurrbart und Nike-Airs geht auch in Bayern nichts. Es geht los mit konkrits DJ-Set, stockend, hakelnd, so richtig flutscht es bei ihm noch nicht. Gebührender Abstand von der Bühne. Ein paar Leute sind schon so hacke, wie sie es erst um 5 Uhr Früh sein sollten. Eine Bro-Horde bewaffnet mit skinny-Jeans takes over the dancefloor, sie tanzen hardstyle(?)-moves und halten den Darkwave für 80s Disco.

Ruckelnd-zuckelnd kracht es weiter bei Midimum an den Synthesizern. Wildgeworden schraubt er an fürs Publikum nicht sichtbaren Reglern, so virtuos, er sollte Komponist fürs Orchester werden. Aufgefasst wurde sein Treiben als Publikumsbeschimpfung, da sprachen die fassungslosen Minen und angstverzerrten Fratzen der Raverinnen und Raver deutliche Worte. Wie soll sie ihre Gucci-Tasche zu diesen harten Brakes und urplötzlichen Beatwechseln schwingen, wie soll er nur rhythmisch an andere Ärsche grapschen, wenn der Wobble-Bass immer nur kurz aufblitzt? Die Unbeirrbarkeit und Konsequenz Martin Steers bleibt bewundernswert.

Das Performance-Pult bleibt male-only, wie könnte es bei der elektronischen Avant-Garde auch anders sein, und Aplysia drückt als nächstes live auf Buttons herum. Ein tiefes Seufzen geht durch die Reihen, es wird melodisch, warm, treibend, herzerwärmend. Der Gänsewein-Genosse, gegen Ende von Midimum schon halb aus der Tür, dreht nochmal zum Tanzen um und da taucht sogar noch ein weiteres bekanntes Gesicht in der Menge auf. Es wird voller, auch trauen sich Menschen langsam in die Mitte, welche zuvor scheu an den Wänden klebten. Die Atzen fahren unbeirrt mit ihrem Ding fort, whatever it is. Irgendwann geht es zurück ins Hinterzimmer zu Zietara, die Freund*innen sitzen immer noch am selben Tisch, auch die Mitbewohnerin ist da. Servus. Wie magisch ist wieder der eine Bandana-Träger am Start, mit uns schon um 22:15 eingetrudelt, und seither so offensichtlich auf Amphetaminen, dass es zum Schmunzeln ist. Weniger witzig sind viele Herren der Schöpfung, denen ein ordentlicher Tritt in die Weichteile sicher die dringend nötige Erdung beschert hätte.

Und dann endlich: Kalipo, gefühlt derjenige, auf den die meisten Menschen an diesem Abend wohl gewartet haben. Es wird nochmal voll, die Kracher vom Album „Yaruto“ kitzeln nochmal ein wenig Esprit aus dem müden Provinz-Haufen und zwischen den Hackedichten blitzen die Gesichter auf, die du die ganze Zeit vermisst hast. Und jetzt bist du müde, damn it. Scheinen da auch einige Songs aus dem nächsten Release durch? Das erste Quartal 2016 wird Klarheit bringen.

Den Abschluss machen dann nochmal konkrit (mit einigen echt guten Platten) und Abigail, der mir zur Heimfahrt bläst. Hasta la vista.

Kommentiere!

Kommentar