in Gekritzel

Im Hinterland fehlt es an Membranen

Nie wieder genug schlafen können. Immer wieder schnell einnicken und zerstört erwachen, im Schlaf von einem Brummi überfahren. Von einem Morgen-Kaffee das Leben abhängig machen,  die graue Aussicht vorbei an Kruzifix und Ziertellern durch das verdreckte Fenster. Die Bäume sind so nackt wie du. Die doppelte Dosis macht schnell müde und umso paranoider, das Laken ist voll mit Schoko-Flecken, die Haut daher fettig und unrein. Aufgeplüschte Haare hängen über die tiefer gelegten Augen, am skinny body formen die Süßigkeiten langsam einen Bauch. Wann lässt sich Mutter piercen?

Die Rückbesinnung auf den Anfang macht den Fortschritt vergessen, vielleicht wurde auch daneben getreten. Deine Zeit ist nichts wert – denkst du, und das Handeln der anderen gibt dir recht. Spaziergänge an Trauer-Weiden vorbei, bayerisches Bier fließt in Strömen, bis es plötzlich stromaufwärts herausbricht. Wir jagen die Monotonie, tun das, was als Skandalös gilt und brechen daher mit nichts und niemanden. Du kannst nichtmal mehr Nein sagen, denn interpretiert wird es nicht anders. Wandel herbeiführen durch den Wechsel des Körperduftes. Duschen.

Die Töne erklingen zu schrill, zu dumpf, zu blechern. Die guten Membranen und Treiber sind in der Großstadt verblieben. Immergleicher Ambient per Bluetooth 4.0 Technologie kabellos übertragen, mind control auf einer technischen Ebene beherrschen und deswegen die Menschen liebend gerne aus dem Spiel lassen. Früher oder später ist die Andere immer das Problem, die Augen der Alten machen dich klein, der hoffnungsvolle Blick der Kleinen nervt. Zudem fahren die Busse nur jede halbe Stunde. Der Haltestellenansage fehlt es an Bass, die Höhen klirren dagegen. Bei Telefonaten in öffentlichen Transportmitteln sollte die Schwerkraft umgekehrt werden, aufdass die goldenen iPhones und geschwungenen Samsungs an der Edelstahldecke des Busses zerschellen, ein stechendes Knacksen in der Ohrmuschel der Angerufenen erzeugend.

Vertröstet dich ein anderer Tag, auf eine schmerzliche Weise, die Gewissheit einer unerfüllbaren Erwartung und das Hadern mit der Zerstörungslust. Früh ins Bett, um den Herausforderungen gewachsen zu sein, das Leben ist nur an einigen Tagen im Jahr interessant, für den Rest gibt es Eiscreme und postfeministische Serien. In der Großstadt zudem gute Treiber und Membranen. Pump up the jam.

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