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Die Dystopie herrscht längst! – Dargestellt an der Serie „Mr. Robot“

Du willst irgendwo einbrechen? Dann such nach einem Menschen, das sind die besten Bugs. Jeder Mensch hat eine Schwachstelle, und sei es nur Hochstapeln oder der Wunsch, begehrt zu werden. Selbst mit einem einfachen Hinweis kannst du dir Zugriff zu diesem Menschen und darüber Zugriff zum System verschaffen.

So ähnlich könnte die Philosophie hinter der Hacker-Arbeit von Elliot in der US-Serie Mr. Robot gefasst werden. Den Gedanken vom „Mensch als bug” in einem scheinbar unknackbaren technischen System finde ich interessant. Er sticht heraus gegenüber anderen dominante Themen der Serie, darunter das Zusammenfallen von Realität und Wahn bzw. die Innensicht eines Schizophrenen. Elliot und die von ihm geführte fsociety hebeln ausgefuchste Sicherheitsmechanismen aus. Der Schlüssel sind dabei nicht komplizierte exploits in der Software – sondern die Menschen, die sie benutzen.

Elliot verwendet das Privatleben der Entscheidungsträger:innen, Angestellten, Freund:innen und Kolleg:innen gegen sie. Die kleinen Ticks, die unzähligen Tweets, die Instagrams vom letzten Italien-Urlaub, das okcupid-Profil, der private Mail-Verkehr. In all diesem steckt eine gewaltige Kraft, die gegen die Personen selbst gerichtet werden kann. Das Datum vom Ausbildungsabschluss ist das Passwort zum Safe. Mit den Nacktbildern vom Seitensprung kann der Ehemann erpresst werden, es geht immer so weiter. Blackmailing und das Erraten von Geheimnissen folgt seit Menschengedenken denselben Muster, dies will ich auch nicht als neu und bemerkenswert festhalten. Neu sind allerdings die Zugriffsmöglichkeiten darauf.

Elliot muss sich nicht mehr mit Trenchcoat stundenlang an die Straßenecke stellen und bei passender Gelegenheit in die Privatwohnung seines Opfers einbrechen, um sensible Daten einzuholen. Die Schlüssel werden ihm auf dem Servierteller präsentiert, größtenteils öffentlich oder geschützt durch ein leichtes Passwort, dass sich über Umwege, darunter auch die berühmt berüchtigten Meta-Daten, erraten lässt. Was die Serie für mich glaubhaft vermitteln konnte, natürlich auf überspitzte Weise, ist die triste Erkenntnis: dystopia is now!

Vorsicht, Argumentation per Anekdote: Ein geschätzter Freund meinte erst kürzlich, dass er auf Grund von öffentlich einsehbaren Facebook-Likes locker ansagen könnte, ob eine Person schon mal illegale Drogen konsumiert hat und dies noch regelmäßig tut. Und packen wir uns bei den Nasen, natürlich hat er Recht! Und das ist möglich, ohne eine einzige private Nachricht gelesen zu haben. Jetzt reime man noch ein wenig herum, sehe sich ein paar weitere Beiträge an (welcher Art auch immer) und es lässt sich möglicherweise auch ein Passwort erraten. weedbaronvienna, whatever. Eine professionelle Analyse dieser für mich als Laie leicht einsehbarer Daten fördert sicher noch mehr zu Tage.

Mr. Robot hinterlässt ein dumpfes Gefühl der Bedrohung. Der bösartige Hacker, der einem aus heiteren Himmel plötzlich mit den eigenen Fotos erpresst, ist natürlich ein überaus unwahrscheinlicher Einzelfall. Viel wahrscheinlicher ist es, ein Opfer unter vielen bei einem großen Datraub- oder Verlust zu sein. Das passiert so gut wie jede Woche bei einer der zahlreichen Anbieter von Service-Dienstleistungen im Internet.

Wer glaubt, dass sie_er trotz Nutzung aktueller Kommunikations- und Konsumtechnologien noch ein hohes Maß an Privatsphäre genießt, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Und wer nicht davon ausgeht, dass sie_er auch analysiert wird, kategorisiert, vorhergesagt wird, die_der obliegt wohl auch einem Irrtum. Im Moment und voraussichtlich noch eine ganze Weile ist die Transparenz und Vorhersagbarkeit unserer Existenzen kein großes Problem, zumindest in Österreich (die Welt dreht sich bspw. in China längst ganz anders). Aber die Verwertungs- und Kontrollmöglichkeiten der ungeahnten Datenflut haben längst Interesse geweckt: Ob Wearables, ähnliche Artikel, personalisierte Versicherungen, Kaufpreise nach Wohnort, Überwachung per Schlagwort. Es steht selbst in der Tageszeitung.

Was bleibt? Primitivistisches Emeriten-Tum in einer analogen Welt? Als Lebensweise weder umsetzbar noch wünschenswert, will man nicht vollständig in Ohnmacht und Isolation versinken. Was bleibt ist der Kampf für eine neue Ethik der Technologie. Nur: Wie?

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