in Erlebtes, Gekritzel, Politik

bei #RefugeesWelcome und ganz depressiv (Vienna)

Tausende Fußpaare auf der Einkaufsstraße, aber kaum in Bewegung, und bis auf Bier und Snacks kaufen wir auch nichts. Eine Demo, Ausnahmezustand, Gewinneinbußen sind zu erwarten. Das passiert nur ein paar Mal im Jahr, es herrscht immer große Aufregung. #RefugeesWelcome ist es, was uns vereint, aus den Betten trieb, trotz Freitag Nacht schon vor 12 Uhr. Wir stehen neben dem Lautwagen des Anti-Nationalen Blocks und warten, ohne recht zu wissen, auf was denn eigentlich. Losgehen soll die Menschenmasse endlich. Was eigentlich heißt, sie soll sich schneller bewegen, denn ganz vorne gehen die Menschen natürlich schon.

Die Genoss*innen, die an der Orga mitwirken, erkennen die Langeweile und steuern mit Redebeiträgen und Musik gegen. Demo-Klassiker des Zecken-Raps, Stücke, deren Text man in und auswendig kennt. Westentaschen-Style. Pause. Der Aufruf wird leicht an das gesprochene Wort angepasst und enthusiastisch, kraftvoll verlesen. Glücklicherweise unterscheidet sich die Analyse des rassistischen status quo und der Forderungskatalog gegen diesen von anderen beteiligten Gruppierungen. Die Parolen erscheinen uns sinnvoll. Gelesen haben wir den Text trotzdem schon.
Zettel-verteiler*innen wuseln durch die Menge und machen Werbung für Initiativen, Projekte, Start-Ups und Konzerte. Eine Samba-Gruppe hat eine Brasilien-Flagge dabei, warum nur? ‚cause that’s why. Unsere Beine bohren sich langsam in den Oberkörper, grummliges Ächzen, Austrinken der Wasserreserven. Toter Gott, lass es Radler regnen. Den Nachzügler*innen wird erfolglos der Weg erklärt.

Also alles wie immer. Jetzt sind es 40.000, heute Abend 30.000 bei ZIB und Tagesschau, am Montag wieder fleißige Bienchen allerorts. Jetzt wird der Sturz jeder Grenze gefordert, kämpferisch. Kampfgeist, wo es noch nicht mal jemanden gibt, den wir hier und jetzt bekämpfen könnten. Wir brüllen unseren Hass einer ganzen Straße, einem ganzen Viertel, dieser Stadt, dem Land, Europa, der Welt entgegen. Daraus resultieren ein paar Sensationsmeldungen und Beschwerden über die Kosten des Polizeieinsatzes. Es ist sehr traurig.

So viele Menschen und wir wissen nichts mit uns anzufangen. Darauf warten, sich ein bisschen fortzubewegen. Die Ohnmacht füllt jeden Centimeter des Raumes zwischen uns aus. Wir können noch so laut brüllen, pfeifen, trommeln, Lieder abspielen. we’re lost, der Krach ist vorgesehen, belächelt, Teil zwischen Teilen.

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