in Erlebtes, Gekritzel, Rausch

rausch und die zeit

Mit dem Rausch beginnt das Zeitgefühl zu schwinden. Der Verlauf der Zeit ist nur gegenüber einem Fixpunkt zu bestimmen, wie es beispielsweise das erste Glas Wein darstellt. Der erste Schluck rückt immer weiter in de Ferne, der Orientierung spendende Leuchtturm an den Ufern des Alltags wird langsam aber stetig vom Horizont verschluckt. Wir treiben, Minuten wie Stunden, Stunden wie Tage, Tage wie Jahre. Unsere Wahrnehmung wechselt sprunghaft zwischen den Skalen, wir sehnen uns nach Bewegung. Die letzte U-Bahn und die immer späten Nightlines bilden merkwürdige Transit-Räume zwischen den Zielen unserer Entdeckungsreise. Es sind festgelegte Stationen und Wegpunkte, Teil tausender Routen, mit ihnen rückt die Zeit wieder gefährlich nahe.

Jetzt musst du schon besoffen genug sein, um stur in den Boden zu starren und die Uhrzeiger keines Blickes zu würdigen. Die Umwelt scheppert an dir vorbei und der Rausch löscht das Warten aus. Gut geplant oder spontan reagiert verläuft alles ganz smooth, durch die Tür, direkt auf den Floor, weiter an den Tresen – plötzlich drehst du den Schlüssel im Schloss, welcome back, home sweet home. Was ist los, wohin ist die Nacht gegangen, wo war ich nur? In den Venen zischt und zappelt es noch, aber du legst dich hin, was willst du schon groß mit dem Morgen anfangen, Bewusstsein auf Standby-Modus, orange LED. Nach dem wake-up call stöhnst du und motzst und schimpfst. Die Zeit ist wieder in jede Ritze deines Lebens gekrochen. Der reißende Strom ist versiegt, zurück bleibt etwas Restfett und ein mulmiges Gefühl. Mulmig, weil es schön war – du aber nicht mehr genau weißt, was genau. Erst in Blicken, Bewegungen, Nähe zu denen, mit denen du die Nacht teiltest, wird manches klar. Begeben wir uns auf die Suche, was weißt du noch?

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