in Erlebtes, Gekritzel, Rausch

Momentaufnahme #0015 – Hühnchen-Kebab wie Fußsohle

Wir sitzen in der U4 und rattern Richtung Friedensbrücke. Ich habe zu viel von dem inhaliert, was die Füße kitzeln lässt und die Beine schlaksig macht. Jetzt bin ich der Schluck Wasser ohne Kurve. Wir wollen feiern gehen; aha, wollen wir das? Wollen tollen vollen Übermuts, zumindest die anderen, mir entgleisen die Lebensgeister. Alkohol und Koffein sind gute Drogen, eine Mate und etwas Vodka, Absolut am besten, natürlich on the rocks. Nichts davon in Reichweite. Zu allem Überfluss die Sehnsucht nach kräftigen Rhythmen – nicht aus schalen Kopfhörern oder knacksenden Boom-Boxen – sondern aus Stereo-Anlagen oder Club-PA. Aber keine Lust zum Reden oder Stehen. Ausgestiegen, los in die falsche Richtung, wir müssen richtig liegen. Tun wir nicht, Kehrtwende, das Ottakringer kostet immer noch dreiste 2,80€ und der Käsekrainer nochmal einen Euro mehr. Es wird schon nicht fad bei der Freundin von einem Freund, wir stellen einfach Leute vor, schwärmen von Texten und du kannst dich dann dafür schämen. Dem Vater eines Freundes wurde empfohlen, sich mindestens einmal pro Tag zu schämen. Na dann soll der einfach für mich gehen.

Tausche Weitergehen gegen Ekel-Kebab. Würde jemand einen Song für jeden miserable Snack komponieren, dann würden die Platten von hier bis zur Sonne und zurück reichen. Fleisch-Streifen wie hart gelatschte Schuhsohlen. Darüber ein Meer aus Knoblauch mit gekenterten Zwiebel-Ringen. Aus Höflichkeit hinterlassen wir der Imbissbude ein paar Bestandteile unserer Sandwiches, sie purzeln unfreiwillig herunter. Der frittierte Emmentaler ist viel besser, obwohl es sich immer noch um Emmentaler handelt. Zumindest beschäftigt sind wir jetzt, die Mägen schieben für die nächsten Stunden Doppelschicht.

Besoffene Männer haben Geburtstag, wie durch ein Wunder fallen sie immer von den Gleisen weg, die Metro bekommt heute nichts vor die Hauer. Glück der Trunkenen? Scheint ganz so. Den Rucksack voll Texten und keinen will ich lesen. Regen auf entblößte Häupter, Türknallen, frische Bettwäsche. Zum Sohlenfleisch gesellt sich Bitterschokolade. Ein Knopfdruck lässt den angebissenen Apfel aufleuchten, Finger über Plastikkuppen.

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