in Gekritzel

(hier eine gesprochene Version zum Anhören. Leichte Abweichungen von der aktuellen Textversion)

Decollage einer postmodernen Medien-Collage. Bereits aus dem Kontext gerissene Bilder werden neu zusammengesetzt.

Es ist heiß, wir haben wenig zu tun und so sitzen wir eben an der Donau. Während wir Löcher in den Fluss starren, ist vom Sommerloch in der Welt nichts zu spüren.

Menschen sterben eben auch bei 36 Grad im Schatten. Ra, der Sonnengott, scheint da keine Gnade zu kennen. Und so verglühen ein paar Gehirnzellen, der Sonne und dem Alk zum Dank – oder ein paar hundert Menschen am Hitzschlag. Pakistan hat ein verdammt heißes Pflaster.

Das Ender der Geschichte wurde schon im letzten Jahrhundert ausgerufen, doch erst jetzt gibt es Ventilatoren mit Wasserdampf-Einspritzung bei den Strandbars am Donaukanal.

Die vor Schweiß triefende Stirnfalten unzähliger Schnapps-Drosseln werden mit 100 Umdrehungen die Minute gekühlt, während nicht nur hinter der Bar Krise herrscht.

Es ist heiß, wir überlegen nicht lange und nehmen Platz vor dem Ventilator.

Was darfs sein, 3 Mojito zum Preis von 2?

Ne danke, wir haben noch.

(Bestandsaufnahme: Wir haben Dosenbier und eine Flasche fruchtigen, aber angeblich trockenen Weißwein. Kostenpunkt: 2,50 der Liter)

(Unser Zustand: Wir genießen den Luftzug aus kühlem Wasserdampf direkt vor dem Ventilator)

Sorry Leute, aber dieser gute Platz und euer Dosenbier, das läuft einfach nicht.

Yo, alles easy, dann laufen wir eben. Übrigens haben wir auch noch eine Flasche Wein; aber keine Gläser. Aber ihr habt sicher welche?

Eine Stunde später haben wir freie Platzwahl. Zahngelbe Reihen aus leeren Plastikstühlen, aber leider keine Ventilatoren mehr. Zur Entschädigung kühles Bier für nen Zwickel.

In einer wissenschaftlichen Quelle habe ich gelesen, dass sich keine andere Epoche jemals als Hängen über dem Abgrund der vorhergehenden Epoche bestimmt hätte. So wie es eben die Postmoderne tut. Als Living on the edge.

Und das, obwohl die Moderne – sozusagen das Prä der Post-Moderne – bereits alle nur erdenklichen menschlichen Abgründe erforscht hat.

Für uns ist das leicht nachzuvollziehen, diese postmoderne Rückkehr an den Rand des Abgrunds. Schließlich lehrten uns schon die Cartoons im Kinderkanal, dass man immer zweimal am Abgrund steht:

Einmal sprintet man über die Klippe hinweg in das bodenlose Tief, weil man dumm nach vorn sah und dachte, es würde immer so weiter gehen. Bitte wenden, bitte wenden.

Schnell machen wir dann von der Physik gebrauch: Wir missbrauchen sie, rudern dem road runner gleich mit kreisrunden Bewegungen unserer Füße zurück.

Zeige- und Mittelfinger bekommen den Abgrund gerade noch zu fassen. Angespannt blicken wir nach oben in den Himmel. Dort starren wir uns selbst an, siegessicher über uns gebeugt, mit dem Stiefel auf die zwei Halt spendenden Finger einstampfend.

Noch bevor das 20. Jahrhundert sein 50jähriges Bestehen feiern konnte, wurde Welt unter Schutt begraben. Und das Universum wäre als nächstes drangewesen, wenn wir nicht zurückgerudert wären. Der Förster bemerkte eben zuletzt, dass er an dem Ast sägt, der ihn trägt. Bis weit über den Grunge-Rock hinweg klammern wir uns nun schon an ein paar lose Steine über dem Abgrund und müssen feststellen:

Das, meine Lieben, ist das Ende der Geschichte. Und wenn diese Ende zu Ende geht, werden wir auch nicht mehr von Post + Moderne reden können, sondern gar nicht mehr.

Auf den Postpunk könne nicht wieder Punk folgen, merkst du kritisch aus deinem Plastikstuhl an: Erst trank man Bier, dann Schnapps, schließlich Wasser. Letztendlich trinkt man nicht wieder Bier, sondern eben gar nichts mehr. Aus die Maus.

Wenn dich nichts mehr hält und du am Ende der Geschichte vorbeifällst – dann kann dich nichts mehr aus der Bahn werfen. Denkste, Merkel kommt und streicht dir einfühlsam über den Kopf. „Gut gemacht.“ Fayman sieht darin eine Vorreiterrolle Deutschlands – aber vielleicht ins Negative? Müsse man abwarten, mindestens 10 Jahre.

Ein Jahrzehnt später bilden sich an der Stelle, die Merkel berührt hat, Geheimratsecken. Ein Wunder, dass Sigmar Gabriel überhaupt noch Haare hat. Aber es sind eh nur noch ein paar, an zwei Händen abzählbar. Und den Zeitpunkt des Ausfallens werden wir dank der Vorratsdatenspeicherung und der Überwachung in öffentlichen Räumen präzise bestimmen können.

Terrorverdacht an einem herabfallendem Haar wurde gestern Abend festgestellt! – vom Staatsschutz.

Bildung der Bildung eines terroristischen Haarknäuls.

Der Friseur fegt die geballten Haare achtlos aus seinem Geschäft, ich folge mit frisch rasierten Undercut.

Unterm Arsch der Beton, schales Bier, leider kein Ventilatoren. Dafür Fächer, sponsored bei derstandard. Geklaut von der Lesung, bei der wir durch das Öffnen von Dosenbier unangenehm aufgefallen waren. Neue deutsche Sittlichkeit! Über uns die sternklare Nacht ohne Sterne, weil die Reklametafeln zu hell sind. Plötzlich ein Anruf:

Geht da noch was?

OXI! Nein, nada, nichts, keinesfalls!

Nein ist nicht einfach eine Verneinung, sondern viel zufriedenstellender. Wir bemerken: Ich habe 300 Euro und arbeite nicht. Du wohnst ein paar Kilometer weiter, arbeitest, trinkst aber für Zwei. Salut. Erneut aus dem Telefonhörer:

Wie es mir geht?

NEIN!

Du vergisst das Schlamassel von vorher, ich wage nicht zu weinen. Schließlich müssen wir zur Nightline, die Dritte ins Bett. Wir fahren mit dem Luftschiff durch die Nacht, da vorn ist Matzleinsdorf, gleich ham wirs geschafft.“

Szenenwechsel: Sie, die Dritte, sprintet wie Hermes zu Fuß, Götterbotin, als einzige Frau vorbei an Männer-Pfeifen. Testosteron-Geifern aus den Einbahnstraßen. Daheim im Internet erzählen Männerrechtler davon, dass Frauen die Macht an sich reißen würden. Finde den Widerspruch, behalt ihn für dich und spuck ihn demjenigen ins Gesicht, wenn es am meisten weh tut. Statt sich zu ereifern könntest du aktiv werden, handeln. Doch schnell würdest du dem Irrtum verfallen, Macht zu haben, und dich in Widersprüchen verstricken. Jemand steht schon bereit und zieht den Strick enger.

Anderes Zuhause, einer der Beiden: Der Salat ist tatsächlich noch im Kühlschrank. Selbst nach einer Bestandsaufnahme ist nicht klar, wovon sich die Mitbewohnerin heute ernährt hat. Luft und Liebe wird es jedenfalls nicht gewesen sein. Die Chucks stehen aber schon im Regal. Egal, dann ist du die labbrigen Salatblätter an Zitrone-Balsamico eben selbst.

Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, du solltest sie weglegen und stattdessen Rohkost im nächsten Szenelokal bestellen. Wie lange halten wir es noch dort aus, bei 4€ Bier im Schatten und 30 Grad für eine Sonne?

Wir wurden in der allerersten Welt geboren, um schließlich in eine Großstadt zu ziehen und gegen sie anzukämpfen. Denn am Land scheint der Überlebensinstinkt zu sterben. Irgendwann nämlich hisst man in Kleinstädten unweigerlich eine Flagge. An der Donau zeigen Leute Fahnen in ihrer Heimgärten – es ist immer die Falsche.

Boycott Israel!, rufen sie. Aber Atom-Deal und Österreich sind schon irgendwie okay. Wiens Ansehen als Verhandlungs-Location steigt, der Tourismus brummt einer Hummel gleich. Komischerweise reisen die Touris nicht nach Teheran – und nach Tel Aviv nur der Party wegen. Ironisches Konsumverhalten, yolo! Ungestört auf Ecstasy, dem Raketenschirm über dem Abendhimmel gleich.

Zum Dank lassen wir eine Hilfsflotille eindrucksvoll am Eisberg zerschellen, um uns anschließend über den vorher festgelegten Kurs zu beschweren. Alles doch nur gut gemeint

Müde klappst du den Laptop zu und gehst schlafen.

Man kann sich auch nach dem Untergang über das Ende beschweren, weil das Ende der Geschichte eben noch kein Ende genommen hat. Vielleicht ist alles auch nur ein vorprogammiertes Manöver im Boardcomputer. Im letzten Moment bricht es ab und entlässt uns in die Freiheit.

Überraschung!

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