in Gekritzel

überall about-felder

Und wenn uns jemand im Alltag fragt, was wir so den ganzen Tag treiben, ergreifen wir reflexartig die Flucht oder antworten schnippisch. Was ist das auch für eine blöde Frage? Versager sind wir, broke, machen immer zu wenig, also eigentlich nötig wäre. Trotzdem wirken wir halbwegs intakt, wenn wir Scherze reißen, uns gut kleiden oder einfach nur genug schlafen.

Eine Ansammlung schlechter Gewohnheiten, das bin zumindest ich. Einer Freundin wurde zum Geburtstag ein Buch zu den Schreibgewohnheiten berühmter Literat_innen wie Camus oder Woolf geschenkt. Wir erkannten sofort die Gefährlichkeit dieser Verhaltensstudien.

Ich bin … „eine Ansammlung schlechter Gewohnheiten“. Uhh, wie selbstreflektiert und edgy. Das will doch auch keiner auf meiner about-page lesen. Vielleicht sind wir, was wir auf instagram fotografiert  oder ganz klassisch an der Wand hängen haben. Einfach an einem Nachmittag wählen, was wir sein wollen und es um uns verteilen. Revier-Markierung per Klebestreifen und Bilderrahmen. Bei mir sind es Poster von Qualitäts-Filmen, subversiv in der Aussage. Was ich doch für ein gebildeter Filmliebhaber bin! Jetzt noch eine aktuelle Film-Rezension auf diesem Blog und das Bild ist komplett.

Das Selbst als Ansammlung von Listen: to-read, to-watch, to-buy, to-cook, to-visit. Wünsche ploppen in mir auf und sie werden munter einsortiert in ein paar Register. Ich gebe dir den Bibliothekskatalog und du durchsuchst einfach meinen Bestand. Vielleicht mögen wir uns dann.

Ich habe keine Leidenschaft mehr, sondern einen Sammeltrieb. Noch ein Album auf Spotify, noch ein Buch, noch ein paar Bier trinken. Leben auf Basis eines 10-Punkteplans, Selbsthilfebücher im Regal. Am liebsten würde ich meinen Schädel gegen die Wand dreschen und hoffen, dass die Ordnung durcheinander gerät und sich nicht rekonstruieren lässt.

Wie ausbrechen aus dem vermessenen Dasein? Ganz sicher nicht mit einem Rausch, der ist genau berechnet: Einkaufspreis, Dosis, Wirkung, Wirkdauer, Nebenwirkungen, Erholungsphase. Montag wieder aufstehen und erzählen, man habe etwas ganz witziges gemacht.

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