in Gekritzel, Literatur

ist jeden tag etwas zu kritzeln revolutionär?

diesem blog sind mehrere vorangegangen, sie wurden alle wieder eingestellt. zum einen meinte ich, nicht die richtige sprache, das richtige thema oder die richtige form gefunden zu haben. und dann war da noch die angst vor dem blanken, weißen editor. unlust spielte sicher die größte rolle.

als mögliche problemlsöung folgt jetzt dieses postpubertäre tagebuch, das ganz bewusst unfertig, kindisch, trivial sein soll. wenn du schreibst, ziehst du dich aus. wie splitternackt manche nach tausend seiten dastehen müssen. und das ist nicht etwa der fall, weil das geschriebene direkt vom eigenen leben erzählt. in der fiktion zeigt sich mehr, als uns lieb ist:

„we need the excuse of fiction to stage what we truly are“ (Slavoj Žižek)

ich will noch zwei weitere referenzen machen, die vom täglichen schreiben erzählen. in beiden zitaten sehen die autorinnen darin etwas ausschlaggebendes. Hilde Domin in „Wozu Lyrik Heute“, ihrer poetik-vorlesung in frankfurt aus dem jahr 1968:

Das Benennen der eigenen Erfahrung hilft dem Menschen er selber zu sein. Die Erfahrung, noch die unerträglichste, genau zu benennen, macht es möglich, sie vom anderen Ende her, vom menschlichen und nicht vom verdinglichten, zu erleben. … Ein Sprungbrett ist dann da, von dem gesprungen werden kann, wo sonst gestoßen würde. Atemraum für etwas wie Entscheidung.

denn die tage zerfließen ineinander, aus ein paar wochen wird plötzlich ein jahr und was wir nicht erinnern, können wir auch nicht verändern. Noch mehr aus der Perspektive der Schriftstellerin meint Aimee Bender in einem Interview:

What is the best bit of advice about writing you have ever received?
I’ve received many, but the one that I find the simplest and most repeatedly effective came from my friend Phil Hay in grad school. Write what you feel like writing each day, he said. It sounds so basic, but there’s something radical in it, and it has helped me many, many times.

also? die sache angehen?

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Kommentar

  1. Und ob und ob wer das Kind in sich verliert hat sich selbst verloren, also einfach ran ans Papier. Es ist nicht schlimm, wenn das was du schreibst nicht perfekt ist oder kindisch klingt, du glaubst gar nicht, wie oft mir das genauso geht und doch schreibe ich weiter, denn ich weiß ich kann ich nicht perfekt sein, wozu auch dann wäre ich ja kein Mensch mehr, denn Menschen sind nicht perfekt, Menschen werden erst einzigartig durch ihre Fehler und Mängel.