in Gekritzel

Guten Mittag

Wir haben gelacht und geweint, bis weit über Mitternacht hinaus. Erst zum Zwitschern der Vögel fielen wir an unseren Zahnbürsten vorbei ins Bett. Eine von euch steht dann auf, mit einem trotzigen Enthusiasmus in den Gelenken und rumpelt in der Küche umher. Die Kühlschranktür knarzt wie das alte Portal einer Schatzkammer. Zum Glück ist noch Milch da. Ich kugle mich umher, die Decke weit über den Schopf, meine nackten Füße zeigen der Sonne ein „Fuckk off!“. Dieser frühe Nachmittag geht schon vorbei, hoffe ich. Dann eben Aufstehen, es wird schon Zeitung gelesen oder ins Tagesgewand geschlüpft. Kaum stehe ich da, im Türrahmen, verschlägt es mir das Wort. Denn einen Guten Morgen zu wünschen, wäre Hochverrat an mir selbst. Also tonlos zur Espressokanne, mich mit einem gemurmelten „heerye“ entschuldigend.

Wir kennen uns gut und doch können wir jetzt nicht zusammenfinden. Zahnseide verläuft zwischen uns, aber manche Stränge sind im Gewirr des Bettzeugs gerissen oder werden von Müsli zerschlagen. Statt gemeinsam Pfannkuchen zu machen – oder besser darauf zu warten, bis sie jemand für uns macht – setze ich mich an den Schreibtisch. Ein Ellbogen betreibt terraforming, bis genug Platz für Käsestullen und Haferl ist. Aber es fehlt an Gesellschaft und die Zeitung wird in einem anderen Zimmer in Beschlag genommen. Was fängt man mit so einem Ein-Uhr-Nachmittag an? Für Geschäftigkeit ist es entweder zu früh oder schon zu spät, für einen Einkauf ist noch zu viel da. Warten auf Sechs Uhr, dann kann man sich Spaghetti machen und vielleicht ein Wort sagen.

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