in Gekritzel

Momentaufnahme #0001

Der Morgen und frühe Nachmittag wurde mit Schreiben an einer Arbeit gefüllt. Am Tag zuvor hatte ich fast an einem Stück 5 Seiten heruntergeschrieben und die mussten nun mit Quellen unterfüttert werden. Ich habe den Aufwand unterschätzt, ich muss neue Literatur bestellen, um Querverweise nachprüfen zu können. Noch bevor ich alle Zitate zusammen hatte, fing ich mit der Verbesserung der dritten Gedichtanalyse in dem Paper an. „Rückkehr der Schiffe“ von Hilde Domin. Der Text handelt vom totalen Verlust, der Hoffnungslosigkeit und dem Wiederfinden. Aber es ist dann eben alles anders, das Wieder-Gefundene. Gegen Ende muss ich feststellen, dass ich zu biographisch interpretiert habe. Der Blick in eine weit professioneller, sehr formale Analyse des Gedichts lässt mich gar erschaudern. Denn meine Ergebnisse sind anders.

Es ist der wärmste Tag dieses Jahres, 28 Grad hieß es gestern. Um 3 habe ich keine Lust mehr auf Schreiben, die noch zu formulierenden Dinge sind zahlreich und wirken bedrohlich. Verstärkt halte ich das Facebook-Gespräch mit einer Freundin aufrecht, was natürlich ablenkt. Ich gehe Eis holen. Unterwegs dann der Entschluss, statt einer kurzen Lernsession vor der abendlichen Vorlesung will ich im Park liegen. Rundnachrichten über meine Verteiler an Freund_innen. Es hat ja jede_r eine andere Messaging-Weise. Ich komme mir immer auch ein wenig schuldig vor, denn ich gaukle in meinen Nachrichten vor, nur eine Person anzusprechen, aber es bekommen doch viele die message. Andererseits ist es schön, man wird immer überrascht, wer sich doch glatt zurückmeldet.

Dann eben in nem Kaffeehaus bzw. davor. Wir wirken wohl alle drei etwas ausgelaugt und sprachlos. Ernste Themen, über das Stagnieren unseres kreativen Outputs, wenn dieser denn überhaupt mal vorhanden war. Wir studieren brotlose Fächer und sind dumm genug, die Frage nach der Beschäftigung zu stellen. Dumm, weil wenig Perspektive, dumm, weil wir vielleicht gar nicht in dem gelernten angestellt werden wollen. Fragen ob der Umsetzung einer Verteilungsquote von Geflüchteten in der EU und einen möglichen Austritt Großbritanniens aus selbiger. Gegenüber der Quote sind wir uneins, ein Austritt von GB scheint unrealistisch.

In der Vorlesung dann Cultural Studies of Science and Technology. Wobei der Fokus auf Technikphilosophie liegt. Was aber eh zusammengehört? In den Ansätzen wird meine Unschlüssigkeit gegenüber so mancher Technologie wach, Antworten gibt es kaum. Schon ein einziges Programm ist so kompliziert, wie soll man es bewerten? Ist es nicht absurd, ganze Städte mit einem Knopfdruck auslöschen zu können, und wie verantwortlich dafür ist man, wenn man ja nur einen Knopf gedrückt hat? Was ist demokratischer, Atomkraft oder Solarenergie? Leidige Beispiele für interessante Fragestellungen.

Auf dem Rückweg würde ich mich gern betrinken, aber das geht erst in ein paar Tagen. Dabei wäre Selbstverlust nicht übel, information overflow

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