Podcast: Modernen Antisemitismus erkennen

Der Lila Podcast hat eine Sendung zu antisemitischen Tendenzen im Feminismus produziert, die ich noch nicht angehört habe. Dafür habe ich die darauf folgende Bonus-Episode bereits konsumiert, die ich hier weiterempfehlen will. Darin stellt Katrin Rönicke der Linguistin und Antisemitismus-Forscherin Monika Schwarz-Friesel drei Fragen, wie man modernen Antisemitismus erkennen kann und wie man darauf reagieren sollte.

Maßgeblich dafür ist die Erkenntnis, dass kaum wer noch offen antisemitisch ist. Moderner Antisemitismus tritt zumeist als „Kritik“ an Israel bzw. als Antizionismus auf. Ein gutes Beispiel hierfür ist die BDS-Bewegung (Boycott. Divestment. Sanctions.), die als antisemitisch bewertet werden muss. Mehr erfahrt ihr im Podcast:

Linksalad #4 – G20, Trump Jr. und die Misere der Radbot_innen

Dilemma des Lumpenprekariats: „Rot-Fahrt und Widerstand: Foodora-Radler verhaftet“ (heute.at) Die Essenslieferant_innen auf Fahrrädern werden zerquetscht zwischen mehreren dringlichen Faktoren: Sie müssen möglichst schnell sein, da sie pro Lieferung bezahlt werden. Deshalb macht es für sie wenig Sinn, sich an alle Verkehrsregeln zu halten. Wer steht um 22 Uhr schon gern an 5 aufeinander folgenden Ampeln […]

Video-Essay: Woher kommen die Cyborgs? (GHOST IN THE SHELL)

Für einen Kurs auf der Uni musste ich dieses Video anfertigen und trotz technischer Mängel finde ich es halbwegs gelungen. Ich beschäftige mich mit dem Anime-Klassiker Ghost in the Shell und der Spielfilmvariante aus diesem Jahr.

Die Idee für das Video ist mir beim Lesen von Donna Haraway’s Cyborg Manifesto gekommen, ein Text, der schon ewig auf meinem Stapel lag. Besonders interessant fand ich daran die Frage nach dem Ursprung, worauf Cyborgs eine ganz außergewöhnliche Antwort parat haben. Aber seht selbst.

Tokio von unten – Radiosendung über die linksradikale Bewegung in Japan

Tokio ist natürlich nicht ganz Japan, fungiert aber offenbar als Kristallisationspunkt, wie das mit den Hauptstädten ja immer so ist. Gregor Wakounig, den ich von Twitter kenne, ist derzeit in Japan und treibt sich dort oftmals bei Linken bis Linksradikalen herum. Jetzt hat er ein einstündiges Feature bei Radio Orange produziert, das ihr nachhören könnt (Link dazu im eingebettetem Tweet).

Sein Einstieg ist für mich sehr passend: Westliche Aktivist_innen würden von der Bewegung in Japan nichts bis wenig wissen. Mir war höchstens klar, dass ein paar Leute die Fukushima-Katastrophe wenig leiwand finden. Natürlich passiert und passierte in Japan viel mehr.

Die Sendung hat einen historischen und einen aktuellen Teil, wobei einige Leute direkt zum Thema interviewt werden. Gregor vermittelt eher zwischen den Stimmen. Die Interviews sind leider sehr leise, man muss also oft die Lautstärke ändern. Heraus kommt für mich, dass die Linke in Japan ähnliche Probleme wie die Linke in Westeuropa hat, aber doch auch ganz eigene. Da wäre z.B. die Auseinandersetzung mit dogmatischen K-Gruppen, die aus dem Ruder läuft und andererseits Japan-spezifische Umstände (wobei der konkrete Konflikt mit den K-Gruppen natürlich auch spezifisch war) wie die mangelnde Akzeptanz von WGs. Gemeinsames Wohnen ist in diesem Land scheinbar noch ein Tabuthema. Das nur mal als Ausschnitt.

Hört euch die Sendung an, beim späten Frühstück oder zum zweiten covfefe ☕️.

Wie Alt-Right AktivistInnen Ironie als Waffe gebrauchen

A compounding difficulty for opponents of the “alt-right” is that online, it’s always been difficult to tell the difference between sincerity and satire.

Jason Wilson bringt beim Guardian auf den Punkt, was in sozialen Netzwerken, Diskussionsforen und Imageboards immer offensichtlicher wird: Rechtsextreme AktivistInnen können mittlerweile Ironie und Ikonographie. Immer mehr zeigt sich eine ironische Attitüde bei Leuten, die dem Spektrum von Rechtskonservativismus über Neue Rechte bis hin zum Neonazismus zugehören. Wieso ist das schlimm?

Knallige Bilder, sympathische Figuren, starke Symbole, ein großer Einfluss auf die großen Franchises der Popkultur – das alles war seit den 70ern eine Domäne der Linken bis Liberalen. In Verhältnissen, die Selbstinszenierung und Coolness nötig  machen, waren zumeist diejenigen besonders gut darin, die sich gegen Kapitalismus und Autorität richteten. Dieser Vorsprung scheint nun verloren: Pepe the Frog geistert wie eine ansteckende Krankheit durch die Twitter-Feeds und die stärkste Fraktion der Studierendenvertretung der juristischen Fakultät Wien macht verhöhnende Bildchen über vergaste Jüdinnen und Juden, die viele als lustig empfinden.

Dabei ist jede Entgleisung immer nur ein schlechter Scherz oder schwarzer Humor. Tatsächlich wird es schwer, eingefleischte Nazis und Gelegenheits-Pöbler_innen im ironsichen Inferno der Vergasungswitze voneinander zu unterscheiden. Die Ironie macht es überhaupt möglich, solche Witze und Bilder ohne Geld- und/oder Freiheitsstrafen zu reißen.

Verwunderlich ist das ganze aber nicht: Die Rechten waren historisch immer wieder sehr gut darin, bildgewaltige Inhalte zu erschaffen. Die Propagandafilme des Dritten Reiches und die SS-Uniformen sind bis heute ein beeindruckende sowie erschreckendes Beispiel dafür. Rechte Ideologie vereinfacht, spitzt zu emotionalisiert – drei zentrale Mechanismen des Internets.

Alternativlos!-Podcast über die Mythen der Gentrifizierung

Die Folge 40 des Alternativlos!-Podcasts ist ein Gespräch mit Andrej Holm, einem Stadt- und Regionalsoziologen. Behandelt wird die Frage, was denn nun eigentlich nochmal Gentrifizierung ist und wie sie abläuft. Es geht also back to the basics, was ich sehr sinnvoll finde. Den in allen Großstadt-Gesprächen dieser Tage ist Gentrifizierung weiterhin Dauerbrenner und darunter fällt irgendwie alles und nichts.

Haben die hippen Kaffeeröstereien und veganen Supermärkte etwas damit zu tun? Welche Maßnahmen kann die Stadt unternehmen? Wie entwickelt sich eine Stadt über die Zeit hinweg? Schwierige Fragen, die zumindest mal angeschnitten werden.

Neu war für mich das Prinzip der Desinvestition in billigen Wohnvierteln: Sagen wir, dass in einem Viertel in Innenstadtnähe der Mietpreis noch sehr gering ist, z.B. 5€ den Quadratmeter. Nun ist es schwer, den Mietpreis bei einzelnen Objekten zu erhöhen, weil das Preisniveau einfach niedrig ist. Will man nun mehr Geld mit den Häusern machen, so wird einfach weniger investiert: Es wird nichts mehr saniert, nichts neues kommt hinzu, die Substanz verfällt langsam. Um das Viertel herum wird nun langsam alles teurer, neue Leute wollen in die Innenstadt und das heruntergekommene Viertel wird somit beliebter. Plötzlich entsteht ein Potential: Die Leute sind bereit, höhere Mieten zu zahlen und das Preisniveau kann im ganzen Viertel angehoben werden.

Mit diesem Moment betreten auch neue Akteure den Markt, kaufen den billigen Grund und die marode Bausubstanz. Dann kann innerhalb kürzester Zeit aufgewertet werden, um das theoretische Potential des Viertels auch zu verwirklichen. Es kommen schöne Neubauten, die Miete kostet nun 9€ den Quadratmeter und während viele Leute nun wegziehen, kommen andere Leute nach, die bereit sind, zu zahlen.

Fazit: Die Zeiten niedriger Miete werden von Investor_innen einfach ausgesessen, bis die Stadtentwicklung die Sache von selbst löst.

 

Flucht aus Sobibor (1987)

Das Vernichtungslager Sobibor in Ostpolen, Herbst 1943: Die bisher täglich eintreffenden Transporte von Jüdinnen und Juden, die vergast werden, sind weniger geworden. Das Ende des Lagers und damit der Tod der Zwangsarbeiter_innen scheint nahe. Die Häftlinge sind deshalb auf der verzweifelten Suche nach Fluchtmöglichkeiten. Flucht aus Sobibor erzählt die Geschichte des Untergrundkomitees, das den Aufstand plant und tatsächlich […]